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Wo die Mächtigen ihre Ferien verbringen

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Foto: ddp images/Jens Koehler

Berlin. 

Altkanzler Kohl zog es zum Wolfgangsee, Kanzlerin Merkel erholt sich gerne in Südtirol und trifft dort vielleicht SPD-Fraktionschef auf Steinmeier und andere. Hier noch mehr Lieblingsorte der Politiker.

Auch der Politiker ist nur ein Mensch. Vor allem im Urlaub. Früher hat er das gerne auch zur Schau getragen. Am geliebten Wolfgangsee präsentierte sich der Altkanzler Helmut Kohl ungeniert in Badehose, auch Ex-Außenminister Klaus Kinkel schwellte einst stolz die behaarte nackte Brust am Urlaubsort.

Diese Zeiten sind vorbei. Seit dem Turtel-Desaster von Rudolf Scharping nebst Lebensgefährtin im Mallorca-Pool sind die deutschen Spitzenpolitiker mit öffentlich gestellten Urlaubsfotos vorsichtig geworden. Auch exotische Fernreisen scheinen verpönt. Viele Politiker schnuppern daher in diesen Tagen recht unspektakulär Höhenluft in den Bergen, andere laden an den deutschen Küsten die Akkus wieder auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht wieder einmal die Wagner-Festspiele in Bayreuth. Anschließend erholt sich die Regierungschefin in Südtirol. Nach dem Steuerkrach, der Bundespräsidentenwahl und wüsten innerkoalitionären Wildsau-Beschimpfungen will die Kanzlerin wandern und einfach mal ausschlafen. Die letzten Tage verbringt Merkel dann in der Uckermark.

Mit den Alpen liegt Merkel immerhin urlaubstechnisch mit vielen Kabinettskollegen auf einer Wellenlänge. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will zehn Tage in den Tiroler und bayerischen Bergen abschalten und sich beim Bergsteigen „mal wieder richtig auspowern“. Womöglich begegnet sie beim Kraxeln Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die mit ihren sieben Kindern auf einer österreichischen Almhütte Ruhe sucht. Auf 1800 Metern will von der Leyen wandern, lesen und „schlafen, schlafen, schlafen“. Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zieht es in die Bergwelt Österreichs.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) erholt sich Anfang August zwei Wochen in Südtirol – und begegnet dort womöglich Frank-Walter Steinmeier. Der SPD-Fraktionschef will mit seiner Familie oberhalb von Bozen wandern. In luftigen Höhen ist auch Dirk Niebel (FDP) un­terwegs. Der Entwicklungsminister, der sich bei einem Fallschirmsprung einen Lendenwirbel brach, will trotz maladen Rückens mit einem seiner Söhne einen Gleitschirmkurs machen. An den Bodensee wiederum zieht es Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Die Küstenfraktion

Zur deutschen Küstenfraktion gehört neben Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der sich gern an der Nordsee ausruht, auch SPD-Chef Sigmar Gabriel. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin will er Anfang August zwei Wochen an der Ostsee im Strandkorb liegen, Rad fahren, ausspannen. „Nach einer Woche gehen wir mit Freunden auf ein Segelboot“, sagte Gabriel. Zuvor verweilt der Chef der Sozialdemokraten für einige Tage in Ostpreußen. Dort will er sich auf die Spuren seiner Vorfahren begeben.

Linken-Chefin Gesine Lötzsch wird sich zwei Wochen lang an der Ostsee entspannen, während der Co-Vorsitzende Klaus Ernst 14 Tage in der Bretagne in Frankreich die Seele baumeln lässt.

Grünen-Chefin Claudia Roth packt den Schmöker „2666“ von Roberto Bolaño sowie Wassili Grossmans „Le­ben und Schicksal“ ein und düst an die türkische Mittelmeerküste. Das Rothsche Entspannungskonzept lautet: Musik, Bücher und Ausprobieren neuer Kochrezepte. Co-Chef Cem Özdemir plant Kurzurlaube im Schwabenland und an der türkischen Schwarzmeerküste.

Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) erholt sich bei der Familie in Hannover und plant Ausflüge in die Umgebung. Womöglich beweist Rösler mit einem Urlaub auf Balkonien Weitsicht. Denn immer können unerwartete Ereignisse dafür sorgen, dass Politiker ihren Urlaub schneller beenden müssen als gedacht. Sollte es also neuen Zoff in der Gesundheitspolitik geben, wäre Rösler schnell in Berlin.