„Wir machen es uns in unserer Heimat gemütlich, ist kein Zukunftsmodell“

Hagen.  Den Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Sauerländer SPD Dirk Wiese hat der Erfolg der AfD erschreckt: „In Berlin muss nun endlich Schluss sein mit den Streitereien innerhalb der Großen Koalition.“ Er empfiehlt: „Alle sollten ‘mal zwei bis drei Wochen lang die Mikrofone ausschalten, um intensiv miteinander zu reden, ­insbesondere die Kollegen der CSU.“ Die AfD müsse man „inhaltlich ­stellen“. Und zwar über das Flüchtlingsthema hinaus. „Sie ist gegen den gesetzlichen Mindestlohn, das Frauenbild entspricht dem der 1950er Jahre.“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Siegen-Wittgenstein, Willi Brase: „Mit Teilen der AfD, die gegen Ausländer hetzen und für einen Schießbefehl an Grenzen sind, kann man nicht reden. Mit anderen schon.“ Die Globalisierung könne von der AfD nicht geleugnet werden. „Deutschland den Deutschen und wir machen es uns in unserer kleinen Heimat gemütlich, ist kein Zukunftsmodell.“ Das führe nur in die Isolation. Gerade Südwestfalen profitiere von der Globalisierung. „Viele mittelständische Unternehmen sind vom Export abhängig.“ Der 64-jährige Sozialdemokrat sieht die AfD als „langfristiges Problem“. „Es ist wichtig, klare Positionen zu beziehen.“

Klaus Kaiser, CDU-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis HSK, will keine Prognose wagen, wie lange die AfD Widersacher bleibt: „Sie lebt von Sprüchen. Sie ersetzt Argumente durch Sprüche und schürt Ängste.“ All das löse aber keine Probleme. In Deutschland habe man die Erfahrung gemacht, „dass Protestparteien wie die Republikaner auf Dauer keine Chance haben.“

Renate Zillessen vom NRW-Landesvorstand der AfD bezweifelt, dass allein die Flüchtlingskrise für die Wählerwanderungen am vergangenen Wochenende verantwortlich ist. „Unsere Partei hat bereits bei der Bundestagswahl 2013 fast den Einzug ins Parlament geschafft. Das hatte mit einem anderen Thema zu tun. Einem Thema, das untergegangen ist: die Euro-Krise.“ Die Währungsentwicklung könne bei den Wahlen durchaus eine Rolle gespielt haben. Gegen Globalisierung, so Renate Zillessen, habe man nichts. „Die können wir auch nicht aufhalten. Wir wollen aber, dass die Nationalstaaten selbst bestimmen, wo es lang geht.“

 
 

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