Wie YouTube online gegen den „Islamischen Staat“ kämpft

Auf Googles Videoplattform YouTube sind auch extremistische Inhalte abrufbar. Der Konzern hat nun eine Anti-Propaganda-Strategie entworfen.
Auf Googles Videoplattform YouTube sind auch extremistische Inhalte abrufbar. Der Konzern hat nun eine Anti-Propaganda-Strategie entworfen.
Foto: Screenshot FMG YouTube
YouTube will Terroristen künftig spezielle Anti-Propaganda-Inhalte anzeigen. Doch an der Taktik gegen Radikalisierung regt sich Kritik.

Berlin.  Google will in Europa künftig verstärkt gegen Radikalisierung im Netz vorgehen. Das Unternehmen hat dafür an der Suchanfragen-Methode seiner Videoplattform YouTube geschraubt. Wer nach Schlagworten sucht, die auf Sympathie mit dem „Islamischen Staat“ hindeuten, soll nun Aufklärungs-Clips über die Terrormiliz angezeigt bekommen.

„Das ist unsere jüngste Anstrengung, um mehr Inhalte zu liefern, die zu einem Umdenken bei von Radikalisierung bedrohten Menschen führen“, heißt es im firmeneigenen Blog. Hinter der Neuerung steht die sogenannte „Redirect Method“, die Googles hauseigener Think Tank Jigsaw mit anderen Partnern in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

„Sie benutzt kuratierte Videos, um Nutzer von extremistischem Material umzuleiten und ihnen Inhalten zu zeigen, die diese Propaganda entlarven“, schreibt das YouTube-Team weiter. „Wir arbeiten mit Jigsaw zusammen, um die ,Redirect-Methode’ in Europa breiter einzusetzen“, sagte Google-Sprecher Ralf Bremer unserer Redaktion.

„Counter Narratives“ gegen die Ideologie

Der Kampf gegen die gut laufende Propaganda-Maschine des IS im Netz führen diverse Parteien an vielen Fronten. Facebook und Twitter löschen seit langem immer wieder islamistische Propaganda-Accounts. Verschiedene Forschungsgruppen verfolgen eine andere Strategie: Sie haben sich den sogenannten „Counter Narratives“ verschrieben, also Gegenerzählungen, die die hassgetriebenen Ideologie der Fundamentalisten bekämpfen sollen.

Diesen Ansatz verfolgt auch die „Redirect Method“. Die Verantwortlichen arbeiteten mit Spezialisten von Nichtregierungsorganisationen zusammen, um die wichtigsten Erzählungen der IS-Propaganda zu verstehen und Gegenerzählungen zu entwerfen. Sie fassten fünf „Grund-Narrative“ zusammen: Die Erzählung von einer vermeintlich guten IS-Regierung; die von einer angeblichen militärischen Übermacht der Terrormiliz; die Mär von einer religiösen Legitimierung der Gräueltaten durch den Islam; die Verherrlichung des glorreichen „Heiligen Krieges“; und schließlich die angebliche Opferrolle der Muslime weltweit.

Suchanfrage soll IS-Sympathie verraten

Dieser Propaganda setzt YouTube nun Clips entgegen, die vor dem „Islamischen Staat“ warnen. Der Algorithmus filtert auf Grundlage der konkreten Suchanfrage heraus, ob sie von einem potenziellen IS-Sympathisanten stammt. Jeder User, der „Insider-Wissen“ offenbart, indem er beispielsweise nicht nur nach „Islamic State“, sondern dazu auch nach „Al-Hayat“ (ein Propaganda-Organ des IS) sucht, bekommt in der „Wiedergabeliste“ an prominenter Position Anti-IS-Material angezeigt. Darunter zum Beispiel Clips wie „Extremism, Not in The Name of Islam“.

Auf längere Sicht will YouTube auch mit von NGOs produzierten Anti-Propaganda-Clips gegen die Radikalisierung vorgehen. Bislang nutzt das Videoportal den Datenschatz des eigenen Archivs. „Wir haben eine Fülle von Videos gefunden, die in ihrer Intention so neutral waren, dass sie unser Projekt unterstützen – darunter Dokumentationen oder Clips von Bürgerjournalisten“, schreiben die Projekt-Verantwortlichen.

Kritik an Lösch-Aktionen

Dazu zählen Aufnahmen von Journalisten, die in vom IS kontrollierten Gebieten recherchiert haben und dort mit Menschen sprachen, die den IS verurteilen. („Must Watch: Wise old lady stands up against ISIS“). Außerdem Videos von geistlichen Führern und Klerikern, die vor den Fundamentalisten warnen („Extremism, Not in The Name Of Islam“).

Die Anti-IS-Strategie von YouTube ruft aber auch Kritik hervor. Zum Vier-Punkte-Plan der Videoplattform gegen Radikalisierung gehört es auch, extremistische Inhalte aus dem Angebot zu löschen. Diese Arbeit übernimmt eine Künstliche Intelligenz (KI), die IS-Material erkennen soll.

Doch scheint die KI dann doch noch nicht intelligent genug, um diesen Job zufriedenstellend zu erfüllen: Sie löschte jüngst auch immer wieder Videos von NGOs. Diese sollten eigentlich den Krieg in Syrien dokumentieren – und die Taten des IS verurteilen.

EURE FAVORITEN