Wie sich Sigmar Gabriel bei Facebook im Ton vergriff

Der Parteivorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel, ist auf Facebook aktiv. Nicht jeder drückt bei seinen Kommentaren den „Gefällt mir-Button“.
Der Parteivorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel, ist auf Facebook aktiv. Nicht jeder drückt bei seinen Kommentaren den „Gefällt mir-Button“.
Foto: dapd
Der Vorsitzende der SPD gilt als Mann des offenen Wortes, der zum verbalen Gefecht eher mit dem Schwert als mit dem Florett antritt. Bei Facebook hat Sigmar Gabriel nicht nur für die Internet-Community nun einen Hieb zu viel ausgeteilt. Israel als Apartheid-Regime zu bezeichnen, kam gar nicht gut an.

Berlin.. Sigmar Gabriel trägt das Herz auf der Zunge und ist bei Facebook aktiv. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis der SPD-Chef sich um Kopf und Kragen reden würde. Gerade hat er in der Netzgemeinde einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, einen „Shitstorm“. Überdies brachte er noch eine weitere „Community“ auf, nämlich die Freunde Israels.

Vom Nahen Osten war er schon als junger Mann fasziniert. Als Gabriel diese Woche Hebron besuchte, war er so erschüttert, dass er am Mittwoch postete: „Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.“ Das war, wie Gabriel schon Stunden später kleinlaut einräumte, eine „sehr drastische Formulierung.“

Schadensbegrenzung

Seit Mittwoch gab es darauf Tausende Reaktionen, Kritik wie auch Zustimmung, bei Facebook wie im politischen Berlin. Die CDU etwa forderte ihn auf, sich schnellstmöglich zu entschuldigen. Gabriel griff zum Telefon und verabredete sich mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden sowie mit Israels Botschafter in Berlin. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung.

Facebook hat für Politiker einen gewissen Reiz. Man kann ohne lästige Journalisten direkt mit dem Volk in Kontakt treten. Was einer behauptet, ist aber nicht mehr rückholbar; und man kann „Missverständnisse“ auch nicht auf Journalisten abwälzen, die alles zuspitzen, skandalisieren. Es gibt nur eine Erklärung für Gabriels Äußerung: Dass der Mann ehrlich entrüstet war, gerade er, ein Israel-Freund.

Für viele Politiker „erledigen“ Mitarbeiter den Auftritt bei Facebook, in der Regel mit abgewogenen Äußerungen. Andere setzen sich selbst dran oder twittern so spontan wie ungefiltert. Den Verdacht hatte man bei Sigmar Gabriel seit langem.

Wortduell mit Journalisten

Der Korrespondent der „Frankfurter Rundschau“ war erstaunt, als Gabriel ihn neulich an einem Sonntagmorgen – sogar schon um neun Uhr – via Facebook wissen ließ, war er von seinem Artikel hielt. Nicht viel, wie man ahnt.

„Richtig so, gib’s ihm“, kommentierte ein User. Über 300 Leute klickten auf „gefällt mir“. Der Wortwechsel sorgte in Berlin für Heiterkeit. Spätestens seither verfolgen die Korrespondenten, was Politiker so im Netz treiben. So schlug die Kritik des CDU-Politikers Peter Altmaier an Wulff auch außerhalb des Netzes Wellen. Der SPD-Chef stellte kürzlich fest, längst würden „auch Facebook-Einträge in der Tagesschau ­zitiert“. Das stimmt. Diese ­Woche lautete die Meldung: „Wirbel um Gabriels Apartheid-Äußerung zu Israel.“

 
 

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