Wie Norbert Röttgen die Medien im Wahlkampf einspannt

Steffen Kampeter ist Schattenminister Nummer zehn. Er soll bei einem CDU-Wahlerfolg Finanzminister in NRW werden. Norbert Röttgens Kandidaten-Marathon war nach einem verkorksten Wahlkampfstart auch der Versuch, über ständige Medienpräsenz in die Offensive zu kommen.

Düsseldorf. Er also wird der Herr der Zahlen – wenn er es denn wird. Möglich auch, dass Steffen Kampeter nicht über ein kurzes Gastspiel als Schatten-Finanzminister von Norbert Röttgen hinauskommt. Aber gewählt wird erst in gut vier Wochen, und der CDU-Spitzenkandidat präsentiert den Berlin-Import zum Abschluss seiner österlichen Kandidatenkür. Der Parlamentarische Staatssekretär von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) übernimmt die wichtige Rolle auf dem Feld, wo Norbert Röttgen die Wahl gewinnen will.

Wie alle Kabinettskollegen in spe vor ihm sitzt Kampeter in der Düsseldorfer CDU-Zentrale und spult ein Kurzprogramm ab: ausgeglichener Haushalt, Einhaltung der Schuldenbremse, „treffsicherer Sozialstaat“ mit weniger Bürokratiekosten. Politische Schwerpunkte wie Bildung, Kultur und Kommunen will er möglichst nicht antasten. Konsolidierung sei für ihn „eine Haltungs- und keine Buchhaltungsfrage“, sagt der 48-jährige Ostwestfale, und die rot-grüne Finanzpolitik in NRW „außer Rand und Band“.

Röttgen nickt beifällig. Dabei hat er den angekündigten Sparkurs teilweise längst selbst durchkreuzt. Von der Wiedereinführung der Studien- und Kitagebühren, jahrelang Dauerbrenner der CDU, will er nichts mehr wissen. Auch jetzt kommen wieder Fragen nach dem plötzlichen Schwenk. Kampeter ist präpariert. Es sei nicht sein Ziel, alle rot-grünen Beschlüsse zu korrigieren, sagt er. Die Bürger hätten doch ein Recht auf „Vertrauensschutz“. Bis auf ein Ressort – Familie und Frauen – ist Röttgens zehnköpfige Ministerreserve komplett.

Sein Kandidaten-Marathon war nach einem verkorksten Wahlkampfstart auch der Versuch, über ständige Medienpräsenz in die Offensive zu kommen. Sein Team, bisher bestehend aus sieben Männern und drei Frauen, rühmt er als „absolute Alternative zu einem namenlosen rot-grünen Kabinett“. Doch Röttgen hat selbst unter Zeitdruck eine Reihe glanzloser Anwärter um sich versammelt, die außerhalb ihrer Wahlkreise kaum jemand kennt.

Anfangs verprellte Norbert Röttgen seine Basis

Während Jürgen Rüttgers vor der Wahl 2005 mit Helmut Linssen, Christa Thoben und Karl-Josef Laumann nur drei Personen für Kernressorts präsentierte und sich vieles offenhielt, rekrutiert Röttgen nicht weniger als sechs Leute in der unauffälligen CDU-Landtagsfraktion. Dahinter steckt nicht zuletzt der Versuch, die anfangs verprellte Basis bei Laune zu halten. Doch schon jetzt dürfte es einigen Aspiranten schwanen, dass sie auch bei einem Wahlsieg aus ihrem Schattendasein nicht herauskommen.

Röttgen ist ein einstiger Widersacher Laschets

Kampeter als ausgewiesener Finanz-Experte mit Berliner Vita gehört sicher nicht dazu, ebenso wenig Laumann. Oder Armin Laschet. Seinen Widersacher im Duell um den CDU-Landesvorsitz, der sich im Gegensatz zu Röttgen stets ohne Wenn und Aber zu seiner Zukunft in Nordrhein-Westfalen bekannt hat, will der Bundesumweltminister an zentraler Stelle fest einbinden. Als Minister für Inneres und Demografie soll Laschet politisch organisieren, wie das größte Bundesland die Probleme durch schrumpfende Einwohnerzahlen angeht – ein strategischer Schachzug.

Überhaupt will Röttgen in der Kabinettsstruktur kräftig aufräumen. Für die Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft steht in einem kombinierten Ressort der parteilose Aachener Hochschulprofessor Günther Schuh. Ein eigenes Energieministerium will der Bundesumweltminister mit der Ökonomin Claudia Kemfert besetzen.

So könnte es kommen. Röttgen muss am 13. Mai nur noch gewinnen.

 
 

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