Wie Hannelore Kraft von Malu Dreyer das Siegen lernen will

Tobias Blasius
Kampfgefährtinnen: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (l.) und ihre NRW-Amtskollegin Hannelore Kraft (SPD). Foto:Thomas Frey/dpa
Kampfgefährtinnen: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (l.) und ihre NRW-Amtskollegin Hannelore Kraft (SPD). Foto:Thomas Frey/dpa
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Ähnliche Ausgangslage, derselbe Wahlkampfberater: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft dürfte sich im Wahlkampf ein Beispiel an Rheinland-Pfalz nehmen.

Düsseldorf. Als Hannelore Kraft vor einigen Wochen gefragt wurde, ob sie 2017 „die Malu machen“ werde, antwortete sie schmunzelnd: „Lassen Sie sich mal überraschen.“ Der Last-Minute-Wahlsieg von Malu Dreyer im März bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz gilt vielen in der NRW-SPD als Hoffnungsschimmer.

Parallelen sind unübersehbar. Wie Dreyer steckt auch NRW-Ministerpräsidentin Kraft im Vorwahljahr im Umfragetief. Wie zeitweilig in Mainz wirken die Sozialdemokraten in Düsseldorf vom Regieren ziemlich erschöpft. Vor allem: Dreyer und Kraft vertrauen demselben Wahl­kampfstrategen.

Wahlkampfmanager für Gerhard Schröder

Der Düsseldorfer Werbeunternehmer Frank Stauss soll eine Kampagne schmieden, die auch Kraft eine weitere Amtszeit sichert. Den 51-Jährigen hat die FAZ einmal als „Mann für hoffnungslose Fälle“ beschrieben. In den vergangenen 20 Jahren hat Stauss für die SPD in Bund und Ländern 25 Wahlkämpfe organisiert, darunter auch Gerhard Schröders fulminante Aufholjagd 2005.

Stauss hat früh bei Beratern von Bill Clinton in den USA gelernt und genießt auch unter Sozialdemokraten einen Ruf wie Donnerhall. Schon 2010 und 2012 entwarf Stauss’ Agentur „Butter“ Slogans, Profilierung und Plakate für Hannelore Kraft. Die Agentur habe „das zweimal gut gemacht“ und deswegen setze man die Zusammenarbeit fort, sagte Kraft Anfang April dazu knapp. All die Mythenbildung um den Genossenflüsterer Stauss und den Wahlkampfendspurt von Malu Dreyer, so die unausgesprochene Botschaft, habe mit ihrer Kampagne 2017 nichts zu tun.

Schwierige Ausgangslage

Klar scheint dennoch, dass Kraft ebenso wie Dreyer als verlässliche Landesmutter mit dem Herz am rechten Fleck positioniert werden soll. Eine, der man vertraut, weil man sie kennt. Die nicht in Berlin jedem Mikrofon nachläuft, sondern die soziale Geste daheim vorzieht. Bei Dreyer hat es funktioniert, zumal CDU-Herausforderin Julia Klöckner ihr den Gefallen tat, mit einem Zickzack-Kurs in der Flüchtlingskrise Freund und Feind zu verwirren.

Gerade weil diese Personalisierung so vorhersehbar ist, versucht Kraft zurzeit, einen gegenläufigen Eindruck zu erwecken: „In Wahlkampfzeiten schauen die Wählerinnen und Wähler genau auf die Inhalte. Und das ist immer gut für uns“, hat sie gerade der „Neuen Westfälischen“ erzählt. Nur nicht aufs Menschelnde reduzieren lassen. Nach fast sieben Regierungsjahren mehrt sich schließlich die Kritik daran, dass Kraft kaum für Inhalte stehe. „Nichts von ihr war konsequenter in Szene gesetzt worden als das Image der mitfühlenden Landesmutter“, schrieb „Die Zeit“ neulich.

Im Wahlkampf 2012 war die Ausgangslage für Kraft weitaus komfortabler, weil CDU-Herausforderer Norbert Röttgen NRW bloß als Sprungbrett für eine Karriere im Bund sah. Bodenständige Landesmutter gegen einen Kandidaten auf Durchreise – besser ging es kaum.

Krafts offene Flanke

Der heutige Oppositionsführer Armin Laschet macht hingegen das, was PR-Profi Stauss einmal in einem Interview allen Herausforderern empfohlen hat, um den geringeren Bekanntheitsgrad auszugleichen und einer nachteiligen Personalisierung des Wahlkampfes auszuweichen: Er attackiert über Inhalte. Dass zurzeit ausgerechnet die drei Landesthemen Innere Sicherheit (Kölner Silvesternacht, Einbruchskriminalität), Bildung (Inklusion, Turbo-Abi, Unterrichtsausfall) und Wirtschaft (Nullwachstum) die politische Agenda in NRW dominieren, ist für Laschet ein strategischer Glücksfall.

Krafts SPD befindet sich erst in der Frühphase des Wahlkampfes. Mit Stauss’ Leuten werden Trends aus der Sozialforschung seziert, Themen besprochen, Ideen geboren und verworfen. Beim SPD-Landesparteitag im September werden Eckpunkte für ein Programm fixiert, das Wiederwahl-Ergebnis für Landeschefin Kraft soll Entschlossenheit und Kampfbereitschaft ausdrücken. Die entscheidende Phase wird mit dem SPD-Listenparteitag im Februar 2017 eingeläutet. Dann gilt wohl auch in NRW nur noch Malu Dreyers Motto: „Kurs halten.“