Wie gefährlich sind die Muslimbrüder?

Vor dem „Marsch der Million“ im Zentrum von Kairo: Ein Demonstrant sprüht einen Slogan auf das  Pflaster.
Vor dem „Marsch der Million“ im Zentrum von Kairo: Ein Demonstrant sprüht einen Slogan auf das Pflaster.
Foto: dapd

Essen.. Bislang gab es in Ägypten ein ungeschriebenes Gesetz: Präsident Mubarak ist an der Macht, die Muslim­brüder sind die Macht in der Oppo­sition, regiert nicht Mubarak, kommen die Islamisten. Doch die so unislamische Revolte in Ägypten zeigt, dass dieses Gespenst seinen Schrecken verloren hat. Doch wer steckt hinter der Bruderschaft?

Gegründet wurde die Organisation 1928 vom Lehrer Hassan al Banna. Sie steht in Zusammenhang mit dem britischen Kolonialismus in Ägypten. Die Muslimbruderschaft hatte das Ziel, islamische Werte zu schützen. Muslimbrüder kritisierten die Korruption, Unterdrückung, die „britische Dekadenz“ und boten soziale Dienste an, die der Staat nicht leistete. So schafften sie sich rasch breiten Rückhalt.

Wurzel des Islamismus

Einer der wichtigsten Ideologen ist Sayyid Qutb (1906-1966). Er propagierte, dass es für Muslime keine Trennung von Glauben und Leben gibt. Gott allein sei legitimer Ge-setzgeber. Qutb erklärte den Niedergang der arabischen Welt damit, dass die Muslime vom wahren Glauben abgefallen wären. Und er rief zum „Heiligen Krieg“ gegen die ­Briten auf. Präsident Nasser verbot die Bruderschaft in den 60er Jahren und ließ die ­Mitglieder verfolgen. In Haft erlebte Qutb Folterqualen und schrieb seine Anleitung zum „Heiligen Krieg“, die bei „Gotteskriegern“ bis heute Pflichtlektüre ist. Die Muslimbruderschaft distanzierte sich davon.

Doch der radikale Islamismus hat in der Muslimbruderschaft eine seiner Wurzeln, aus der auch das Terrornetzwerk El Kaida Nahrung bezieht. Aiman al Sawahiri, Nummer zwei hinter Bin Laden, kam bei den Brüdern in Kontakt mit dem radikalen Islam. Auch die Hamas im Gazastreifen bedient sich der Ideologie.

Wenig Rückhalt im Volk

Die Muslimbruderschaft ist heute verboten, aber geduldet. 1972 schwor sie der Gewalt ab. Bei den Wahlen 2005 bekam sie etwa 20 Prozent. Nach Expertenmeinung würde sie heute weniger Stimmen erhalten, denn in der Bevölkerung genießt sie keine große Unterstützung mehr. Doch die Skepsis bleibt. Die Be-kenntnisse der Brüderschaft zu Demokratie und Frauenrechten sind unklar. Oberster Muslimbruder ist seit einem Jahr Mohammed Badie.

 
 

EURE FAVORITEN