Wie darf Gas gewonnen werden? Fracking wird Wahlkampf-Thema

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In den USA boomt Fracking, die neue Gasgewinnung, bei der Wasser, Sand und Chemikalien tief in den Boden gepresst werden. Laut Umweltbundesamt könnte Deutschland seinen Gasbedarf für 13 Jahre aus den Schiefergas-Vorkommen decken. Doch die Widerstände sind groß: Es fehlen klare Regeln für die neue Technologie.

Berlin. In den USA herrscht längst Goldgräberstimmung: Dort boomt die Erdgasförderung durch Fracking. Die Gaspreise sind seit 2008 um zwei Drittel gesunken - und Präsident Obama verspricht sich vom Fracking-Fieber hunderttausende neue Jobs.

In Deutschland aber bleiben die Widerstände gegen die Technik immens, wo zur Gewinnung von unkonventionellem Erdgas ein Mix aus Sand, Wasser und Chemikalien ins Gestein gepresst wird. Die Gegner befürchten, dass dabei das Trinkwasser verseucht wird.

Koalition will Fördervorgaben noch vor der Wahl

Doch jetzt dringt die Koalition auf klare Fördervorgaben noch in dieser Legislaturperiode. Unions- und FDP-Politiker aus der Arbeitsgruppe „Fracking“ haben Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in einem Brief aufgefordert, bis Mitte Februar Regeln zum Fracking vorzulegen.

Sie wollen für neue Vorhaben eine verpflichtende Umweltverträglichkeits-prüfung (UVP), einen Ausschluss aller Wasserschutzgebiete und klare Regeln, was mit den eingesetzten Chemikalien anschließend passiert.

Der FDP fehlen „schärfere Auflagen“

„Wir wollen schärfere Regeln zur Schiefergas-Gewinnung einführen“, sagte FDP-Umweltpolitiker Michael Kauch der WAZ Mediengruppe und sprach von derzeit „unzureichenden Auflagen“. Altmaier nahm den Ball auf und kündigte strenge Richtlinien an. „Wir werden klarstellen, dass Fracking in Trinkwasserschutzgebieten grundsätzlich verboten ist, und wir werden für alle anderen Regionen wesentlich strengere Voraussetzungen im Planungsrecht aufnehmen“, sagte er und räumte der Fördermethode erneut auf absehbare Zeit kaum eine Chance ein.

Rösler ist nicht so skeptisch, verweist aber auf Fragen zu Gesundheits- und Umweltbeeinträchtigungen. Das Wirtschaftsministerium werde sich mit dem Umweltministerium „für zeitnahe konkretisierende Vorschläge abstimmen“, hieß es auf Nachfrage. Bei den Ressortchefs könnte es mal wieder mächtig im Gebälk knirschen, wenn es dann um die Details geht. Sie sind aber maßgeblich dafür, wie stark das Fracking eingeschränkt wird.

Spannend wird etwa die Frage sein, ob die Gasförderer vor jeder Bohrung eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen müssen. Das würde Zeit und Geld verschlingen. Offen ist, ob Fracking in einstigen Bergbaugebieten erlaubt wird. Darauf liefert der Brief der AG „Fracking“ keine Antwort.

Konzerne warnen vor Engpässen

Auf die Details werden Konzerne wie Exxon oder die BASF-Tochter Wintershall achten. Ihr Chef Rainer Seele warnte schon vor einer schnell zurückgehenden Gasproduktion ohne Fracking.

Nun legte BASF-Vorstand Harald Schwager nach. Er sehe Potenziale für Fracking, in Europa insbesondere in Deutschland, Frankreich und Polen. So sind nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Deutschland rund 1,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas technisch gewinnbar. Etwa in Bayern, Niedersachsen oder NRW. Das Umweltbundesamt hat errechnet, dass Deutschland seinen ganzen Gasbedarf für 13 Jahre aus den Schiefergas-Vorkommen decken könnte.

Auch Bayern ist höchst skeptisch

In NRW hat die Landesregierung im letzten Sommer neuen Probebohrungen allerdings den Riegel vorgeschoben. Zu wenig weiß man bisher darüber, welche irreparablen Folgen die Chemikalien fürs Grundwasser bedeuten könnten. Oder die großflächige Zerstörung der Gesteinsschichten in der Erde.

Dass das Gesetz noch vor der Wahl kommt, ist deshalb eher unwahrscheinlich. Erst Anfang Februar haben die Länder gefordert, den Einsatz von umweltschädlichen Chemikalien so lange zu verbieten, bis die Risiken geklärt sind.

Besonders skeptisch sind hier nicht nur oppositionsgeführte Länder, sondern auch die CSU in Bayern. Selbst wenn Rösler und Altmaier strenge Auflagen vorsehen sollten, dürften sie - wenige Monate vor der Wahl - am Widerstand von SPD, Grünen und Linken im Bundesrat scheitern.

 
 

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