Wie Che Guevara zum Posterboy der Revolution wurde

Che Guevaras letzter Kampf

Vor 50 Jahren endet im bolivianischen Dschungel die Karriere einer Ikone der marxistischen Revolution: Ernesto "Che" Guevara gerät in die Fänge der Armee - bei seinem Versuch, ganz Lateinamerika ...

Vor 50 Jahren endet im bolivianischen Dschungel die Karriere einer Ikone der marxistischen Revolution: Ernesto "Che" Guevara gerät in die Fänge der Armee - bei seinem Versuch, ganz Lateinamerika ...

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Es ist eines der berühmtesten Porträts der Fotogeschichte: Das Konterfei Che Guevaras wurde zur Ikone. Alles begann mit einem Zufall.

Berlin.  Wer links war in den Siebzigern – so richtig links, nicht SPD, sondern mehr in Richtung permanente Revolution –, der kam an dem Poster nicht vorbei: Che Guevara mit dem schwarzen Barret samt fünfzackigem Stern auf dem Kopf, der Bart und die zerzauste Mähne, der entschlossene Blick in die Ferne. Das Foto, ob in schwarz-weiß oder koloriert, gehörte damals in das Jugendzimmer eines jeden Möchtegern-Revoluzzers.

In den Siebzigern war Che Guevara schon lange tot. Der argentinisch-kubanische Revolutionär, Politiker und Kampfgefährte Fidel Castros in Kuba wurde vor nunmehr 50 Jahren, am 9. Oktober 1967, in einem bolivianischen Dorf von Soldaten exekutiert. Doch damit begann erst der Mythos Che Guevara, der sich bis heute hält. Nicht zuletzt wegen des Posters mit dem Foto, das auch auf ungezählten T-Shirts weiterlebte.

Der Che-Guevara-Kult lebt weiter

Auch heute wird das Foto noch gern zu Propagandazwecken genutzt. Etwa von Boliviens sozialistischem Staatschef Evo Morales, der den Che-Kult nach Kräften fördert und zum Jahrestag des Todes eben jenes Porträt neu präsentierte:

Das Foto entstand am 5. März 1960 in der kubanischen Hauptstadt Havanna – und es war ein Zufallstreffer des kubanischen Fotografen Alberto Korda.

Korda arbeitete damals für die Zeitschrift „Revolución“. Wenige Tage zuvor war der französische Frachter La Coubre in Kuba angekommen, beladen mit Munition. Am 4. März erschüttern zwei Explosionen Havannas Hafen. 81 Arbeiter werden getötet. Fidel Castro macht den amerikanischen Geheimdienst CIA für das Desaster verantwortlich.

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Foto entstand bei einer Trauerfeier

Am nächsten Tag fotografierte Korda bei der Trauerfeier für die Opfer auf dem Friedhof von Havanna. Er fotografierte Castro bei einer leidenschaftlichen Rede, ebenfalls die angereisten französischen Schriftsteller Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Eher nebenbei machte er zwei Aufnahmen von Che Guevara. Auf dem Original-Negativstreifen ist links noch ein Mann zu sehen, rechts eine Palme. Das Foto von Che erschien erst 1961 erstmals, um eine Ansprache im Fernsehen anzukündigen.

1967 veröffentlichte dann der italienische Verleger Giangiacomo Feltrinelli das Foto als Poster in Italien. Entsprechend verwundert es nicht, dass die in Italien inzwischen politisch bedeutungslose Kommunistische Partei PCI aktuell ihres Idols gedenkt – natürlich mit Kordas Schnappschuss:

Von Italien aus trat das Poster schließlich seinen Siegeszug rund um die Welt an. Nachdem bekannt wurde, dass Che Guevara in Bolivien erschossen wurde, machte ihn dieses Foto zur Legende. (W.B./mit dpa)

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