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Wenn die Regenbogen-Fahne brennt

Berlin. 

Flammen fressen sich durch das Grün, Blau, Gelb und Rosa. Die Regenbogen-Fahne, das weltweite Symbol der Bewegung für die Rechte von Homosexuellen, brennt. Zumindest in der Propaganda radikaler Islamisten, die das Bild in den sozialen Netzwerken bei Facebook und Twitter verbreiten. Noch immer ermitteln Justiz und Polizei die Hintergründe des Anschlags auf den Nachtklub in Orlando. Der Attentäter Omar Mateen hatte nach allem, was bislang bekannt ist, keine Verbindung zur Führungsebene des „Islamischen Staates“. Er radikalisierte sich selbst. Wie stark Mateen in der Ideologie verwurzelt war, ist bisher ungeklärt. Fest steht: Der Täter war im höchsten Maße gewaltbereit. Und hochgradig homophob.

Islamismus und Homophobie – das geht unter Extremisten Hand in Hand. Sie feinden Homosexuelle an. Auch der IS zeigt Videos, wie Menschen aufgrund ihrer Sexualität von Häuserdächern in Syrien gestürzt werden. „Für Islamisten ist Homosexualität genauso eine Todsünde wie die Gleichberechtigung der Frau“, sagt Professorin Katajun Amirpur, stellvertretende Direktorin an der Akademie der Weltreligionen in Hamburg. Wer sich nur einen Millimeter neben der Ideologie bewege, gelte als Abweichler. „In der Propaganda der Islamisten wird Homosexualität als Import des Westens in die muslimische Welt diffamiert. Das ist Blödsinn.“ In der Geschichte des Islam gebe es eine jahrhundertelange Tradition gleichgeschlechtlicher Liebe, so Amirpur. „Tausende Liebesgedichte von Männern zu anderen Männern sind überliefert und zeugen von Homosexualität in der Geschichte des Islam.“

In der salafistischen Szene gilt Hass gegen Schwule. Und nicht nur dort – sondern weltweit. In Russland kommt es zu Übergriffen auf Schwulen-Paraden durch rechte Schlägertrupps, aber auch in Deutschland sind Homosexuelle Opfer von Gewalt und Diskriminierung.