Weniger Einbrüche in NRW - nur jeder sechste wird aufgeklärt

Wilfried Goebels
Ein kriminaltechnischer Angestellter der Polizei sichert Spuren an einer Eingangstür.
Ein kriminaltechnischer Angestellter der Polizei sichert Spuren an einer Eingangstür.
Foto: dpa
Erstmals seit 2008 sind die Einbrüche in NRW 2014 gesunken – rund 3,9 Prozent weniger gab es laut NRW-Innenminister Ralf Jäger. Auch die Aufklärungsquote verbesserte sich. Die zahl der jugendlichen Straftäter nimmt ab.

Düsseldorf. Einbrecherbanden aus Osteuropa stellen die Polizei in Nordrhein-Westfalen weiter vor große Probleme. Erstmals seit 2008 sind die Einbruchszahlen in NRW 2014 aber gesunken. Nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) gab es im vergangenen Jahr mit 52.800 Delikten rund 3,9 Prozent weniger Einbrüche – sogar zwölf Prozent weniger Tageseinbrüche zwischen sechs und 21 Uhr. Die Aufklärungsquote verbesserte sich in NRW leicht auf 15,4 Prozent.

Laut Kriminalitätsstatistik registrierte die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 1,5 Millionen Straftaten – das sind 1,1 Prozent mehr als 2013. Während „leichtere“ Delikte wie Taschendiebstähle (+ 8,5 Prozent) vor allem durch Täter aus Osteuropa und Nordafrika zunahmen, gab es 2014 weniger Gewalt in NRW. So sank die Zahl der Gewaltdelikte um 1,7 Prozent auf knapp 46.000 Straftaten.

Auch kamen 2000 Kinder und Jugendliche weniger mit dem Gesetz in Konflikt: Von 484.000 Tatverdächtigen war jeder vierte jünger als 21 Jahre. Bei den jungen Mehrfachtätern ging die Zahl auf 6500 zurück – minus 2,8 Prozent. „Wir werden die Jugendkriminalität fest im Blick behalten“, sagte Minister Jäger.

Kritik an Lockerung der Meldepflicht

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, begründete die gesunkenen Einbruchszahlen unter anderem mit dem erhöhten Fahndungsdruck durch die Polizei. Durch nicht angekündigte Kontrollen auf Zufahrtsstraßen, einem länderübergreifenden Informationsaustausch der Polizeibehörden und der höheren Präsenz in besonders gefährdeten Regionen würden enorme Anstrengungen unternommen, um die Risiken für Einbrecher zu erhöhen. „Wir müssen an vielen Stellschrauben drehen“, sagte Plickert dieser Zeitung.

Kritik äußerte Plickert daran, dass Händler beim Goldankauf die Ware nicht mehr eine bestimmte Zeit lang aufbewahren müssen, bevor sie sie einschmelzen. Das erschwere den Aufgriff von gestohlener Ware. Zudem habe die Lockerung der Meldepflicht dazu geführt, dass die Polizei Verdächtige laufen lassen müsse, die zwar einen festen Wohnsitz angemeldet hätten, diesen aber gar nicht nutzten.

Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger gestiegen

Auch der Wegfall der gesetzlichen Dokumentationspflicht bei Gebrauchtwagen- und Schrotthändlern hat das Auffinden und Zuordnen von Diebesgut zusätzlich erschwert. Mit der auf 15,4 Prozent verbesserten Aufklärungsquote hat NRW laut GdP aber den Anschluss gefunden. Bundesweit hatte die Aufklärungsquote bei 15,5 Prozent gelegen.

Allerdings rechnete der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, vor, dass von den 8500 Kriminalbeamten in NRW nur 355 mit der Bearbeitung von Einbrüchen befasst seien. Der BDK machte die dünne Personaldecke und eine mangelhafte Ausbildung mitverantwortlich, dass nur jeder sechste Einbruch aufgeklärt wird. GdP-Landeschef Plickert beklagte, dass zwischen Festnahme und Verurteilung der Täter oft Monate vergehen, in denen der Einbrecher auf freiem Fuß bleibe – und flüchten könne.

Nach Erkenntnissen der Behörden ist der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen seit 2009 um zehn Punkte auf 38 Prozent gestiegen. Die meisten stammen aus Serbien, Rumänien, der Türkei und Polen. Den Ermittlungen zufolge schlagen reisende Tätergruppen dort zu, wo es eine schnelle Autobahnanbindung gibt. Täter könnten in NRW aufgrund des dichten Verkehrsnetzes überörtlich arbeiten und sich sehr schnell wieder zurückziehen, sagte Plickert.