Was wir bisher wissen – Jugendliche aus NRW schwer verletzt

Bei einem Zwischenfall mit einem Kleintransporter in Barcelona hat es Medienberichten zufolge am Donnerstag mehrere Tote gegeben.

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Der Tatort auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona wird untersucht.
Der Tatort auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona wird untersucht.
Foto: SERGIO PEREZ / REUTERS
In Barcelona ist ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast. Mindestens 14 Menschen starben, mehrere Deutsche sind schwer verletzt.

Barcelona.  Am Donnerstagnachmittag ist in Barcelona bei einem Terroranschlag ein Transporter in eine Menschenmenge gefahren.

Was ist passiert?

Auf Barcelonas beliebtester Flaniermeile Las Ramblas ist am Donnerstag gegen 17 Uhr ein Transporter mit hoher Geschwindigkeit und laut Augenzeugen im Zick-Zack-Kurs in eine Menschenmenge gefahren. Er legte dabei etwa 500 Meter zurück. Der Fahrer flüchtete.

Die Zeitung „El País“ zitiert eine Augenzeugin mit den Worten, Leute seien durch die Wucht des Aufpralls „in alle Richtungen geschleudert worden“.

Die Tatorte des Anschlags von Barcelona

Die Polizei bestätigt, dass es sich um einen Terroranschlag handelt. Der IS reklamierte über sein Propagandaorgan Amak auf den üblichen Kanälen den Anschlag für sich. Die katalanische Regionalregierung kündigte eine dreitägige Trauer an.

Wie viele Menschen wurden verletzt oder getötet?

Bisher sind 14 Tote bestätigt, nachdem am Freitag eine Frau ihren Verletzungen in einem Krankenhaus erlag, wie die katalanischen Rettungskräfte mitteilten. Laut des katalanischen Innenministers Joaquim Forn könnte die Zahl aber weiter steigen. Bei den Anschlägen in Barcelona und Cambrils sind nach Angaben der Rettungskräfte insgesamt 130 Menschen verletzt worden. 17 von ihnen schweben in Lebensgefahr, 30 weitere seien sehr schwer verletzt. Nach vorläufigen Angaben der Rettungskräfte stammen die Opfer aus insgesamt 34 Ländern.

Sind Deutsche unter den Opfern?

Ja. Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt worden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch unter den 14 Todesopfern deutsche Staatsangehörige seien, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer.

Wie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag in Düsseldorf mitteilte, wurden in Barcelona auch drei Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen schwer verletzt. Es handle sich um drei Mädchen aus Oberhausen. Die beiden 17-Jährigen und eine 14-Jährige seien mit einer Kirchengemeinde auf einem Tagesausflug in Barcelona gewesen.

Die Menschen, die getötet oder verletzt worden seien, kommen laut der Regionalregierung aus 24 verschiedenen Ländern von Frankreich und Deutschland bis Pakistan und den Philippinen.

Das ZDF hatte bereits am Donnerstagabend berichtet, dass drei Deutsche bei dem Anschlag getötet worden seien. Der Sender hatte sich auf Sicherheitskreise berufen. Das Auswärtige Amt hat das bislang nicht bestätigt. Man prüfe dies mit Hochdruck, sagte eine Sprecherin.

Wo waren die Tatorte?

Drei Orte spielten eine Rolle: Die Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona, der Küstenort Cambrils und der Ort Alcana in der Provinz Tarragona.

• Las Ramblas: Die beliebte Flaniermeile von Barcelona ist eine knapp 1,3 Kilometer lange Promenade im Zentrum der Stadt. Sie führt von der Plaça de Catalunya im Norden bis zum Alten Hafen am südlichen Ende. Der Boulevard zählt zu den Hauptattraktionen für Touristen.

• Cambrils: In dem Küstenort wurden in der Nacht laut Polizei fünf Terroristen getötet, die am frühen Freitagmorgen laut Medienberichten einen Anschlag verüben wollten. Der Ort liegt etwa 100 Kilometer südlich von Barcelona bei Tarragona.

• Alcanar: Bereits am Mittwoch gab es laut Behörden eine Explosion in einem Wohnhaus in dem Ort Alcanar. Bei der Gasexplosion in der Provinz Tarragona etwa 200 Kilometer südlich von Barcelona seien ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt worden, erklärte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero. Es gebe „klare“ Verbindungen zu dem Anschlag in Barcelona.

Was passierte in der Nacht in Cambrils?

Nur wenige Stunden nach dem Terroranschlag in Barcelona tötete die Polizei in dem Küstenort Cambrils in Katalonien fünf mutmaßliche Attentäter. Gegen 1.30 Uhr seien Einheiten zu der Operation rund 100 Kilometer südlich von Barcelona ausgerückt, hieß es. Die Polizei geht davon aus, dass dort ein weiterer Terroranschlag geplant war. Es soll einen Zusammenhang zu der Attacke in Barcelona gaben. Ein Amateurvideo zeigt den Moment, in dem die Schüsse gefallen sind.

Vor ihrem Tod hatten die Männer nach Angaben der Polizei versucht, Touristen umzufahren. Ihr Auto habe sich überschlagen. Daraufhin hätten einige der Insassen auf Menschen eingestochen. Eine Frau erlag am Freitag ihren Verletzungen, mehrere andere Menschen und ein Polizist wurden verletzt. Gefundene Sprengstoffgürtel erwiesen sich als Attrappen, als sie kontrolliert gesprengt wurden.

Was ist über den Fahrer des Lieferwagens bekannt?

Der Mann, der am Steuer des Lieferwagens saß, ist weiter flüchtig. Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Er wird als etwa 1,70 Meter groß beschrieben und soll ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung „El Periódico de Catalunya“ berichtete.

Es sei nicht auszuschließen, dass der Fahrer des Kleintransporters einer der fünf Männer war, die in Cambrils erschossen wurden. Gewiss sei dies jedoch nicht, teilte die Polizei mit.

Vier Männer wurden nach dem Anschlag und dem vereitelten Angriff in Cambrils festgenommen. Drei von ihnen sind Marokkaner, einer kommt aus der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla. Der hauptverdächtige Fahrer des Lieferwagens sei nicht unter den Festgenommenen, teilte Polizeichef Josep Lluís Trapero am Freitag auf einer Pressekonferenz mit. Die vier Festgenommenen seien 21, 27,34 und 38 Jahre alt.

Bei einer Polizeikontrolle wurde kurz nach dem Anschlag zudem ein Mann erschossen, der flüchten wollte. Er stand aber laut Polizei nicht im Zusammenhang mit dem Anschlag.

Am Abend gab es in mehreren Medien und sozialen Netzwerken Spekulationen über die Identität eines Verdächtigen. Es kursierte auch ein Foto. Später hieß es dann allerdings, ein Mann habe sich bei der Polizei gemeldet und gesagt, ihm seien die Papiere gestohlen worden.

Welche Fragen sind noch offen?

Vor allem eine: Wer ist der Fahrer des Lieferwagens? Seine Identität ist weiter unklar. Auch ist nicht geklärt, ob es sich um einen Einzeltäter handelt oder ob er Komplizen – und wenn ja, wie viele – hatte. Der genaue Zusammenhang zwischen der Tat in Barcelona und dem Polizeieinsatz in dem Küstenort Cambrils ist ebenfalls noch nicht eindeutig geklärt. Zudem stellt sich die Frage, ob weitere Anschläge geplant waren.

(tma/sdo/les/dpa)

 
 

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