Was weiß Beate Zschäpe?

Siegen.  Wie wird sich der DNA-Fund an Peggys Leiche auf den laufenden NSU-Prozess auswirken? Darüber sprachen wir mit Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler. Er vertritt mehrere Opfer.

1. Wie werden die neuen Spuren den NSU-Prozess beeinflussen?
Die neuen Spuren werfen einige neue Fragen auf, insbesondere was die Person Zschäpe angeht. Hat sie Kenntnisse über die Ermordung von Peggy? Wem gehört der Datenträger, der in den Trümmern des NSU-Unterschlupfes gefunden wurde und auf dem sich kinderpornografisches Material befand? Insgesamt gehe ich aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass die neuen Erkenntnisse eine große Auswirkung auf den laufenden Prozess haben werden.

2. Was fordern Sie nun von Beate Zschäpe?
Zschäpe sollte sich äußern, wenn sie etwas über mögliche Taten Uwe Böhnhardts weiß. Welche Kenntnisse hatte sie über Peggy? Was weiß sie über Böhnhardts Rolle im Mordfall eines Neunjährigen in Jena? Hat er darüber gesprochen? Mit einer Einlassung würde sie nicht nur Peggys Eltern helfen, sondern auch sich selbst einen Gefallen tun.

3. Was war Ihre Reaktion, als Sie von den DNA-Spuren erfuhren?
Erschrocken, aber nicht überrascht. Es gab immer Hinweise auf eine Verbindung zwischen dem NSU-Umfeld und Fällen von Kindesmissbrauch. Tino B., ein enger Vertrauter des NSU-Trios, sitzt wegen Kinderprostitution in Haft, auf einem Computer des Trios fanden die Ermittler Kinderpornos, und Böhnhardt wurde bereits mit einem weiteren Kindsmord Anfang der 90er Jahre in Verbindung gebracht.