Warum zu Guttenberg so gut beim Wähler ankommt

Miguel Sanches
Er ist politisch und finanziell unabhängig, trifft schnelle Entscheidungen und immer den richtigen Ton. Nun könnte Guttenberg sein wichtigstes Kapital verlieren: Das Vertrauen

Berlin. Bisher blieb keine Affäre an „KT“ hängen. Angriffe seien zum Teil gar „kontraproduktiv“, erzählt Matthias Jung von der Forschungstruppe Wahlen. „Harte, unfaire, gar persönlich herabsetzende Angriffe kommen nicht an.“ Demoskopen wie Jung werden genau messen, ob die Plagiats-Affäre Karl-Theodor zu Guttenberg schadet. Bislang ist er der beliebteste Politiker.

Mit Politik allein kann Richard Hilmer von Infratest-Dimap die Sympathiewerte nicht erklären. Es sei vielmehr die Art, wie Guttenberg sich präsentiert. Zum Beispiel der Auftritt des Ministers mit seiner Frau in Afghanistan. Für ihn spreche seine Durchsetzungskraft, „und dass er erkennen lässt, dass er nicht auf die Politik angewiesen ist“, sagt er, „Glamour ist auch ein Faktor“, fügte er noch hinzu. „KTs“ Unabhängigkeit – politisch wie fi­nanziell – ist für Jung der entscheidende Bo­nus, gerade „an­gesichts des negativen Grundimages, das Politiker ge­­­­mein­hin haben.“

Ein weiterer Guttenberg-Erklärer ist Michael Hartmann. Er ist ein Elitenforscher. Vor 30 Jahren wäre Guttenbergs Aufstieg so nicht möglich ge­wesen, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Das Image der Politiker und Parteien musste den heutigen Tiefpunkt erreichen, damit sich Guttenberg abheben konnte.

Auffallend schnell

Auffallend ist seine Schnelligkeit. Er sitzt Krisen nicht aus, er trifft sofort Entscheidungen. Ob sie richtig seien, „wird sich immer erst später entscheiden“, so der Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer. In der Thüringer Allgemeinen bekennt er: „Es ist aber auch für uns Wissenschaftler ein Rätsel, wie Guttenberg nahezu alles machen kann, ohne dass sein Image merklich leidet.“ In der Tat sah man ihm viel nach: Dass Kanzleien für ihn Gesetze mitschrieben; es Opel nicht geben würde, wenn es zur geregelten Insolvenz gekommen wäre; dass er in der Kundus-Affäre Mitarbeiter fallen ließ.

Wann Politiker angreifbar werden, weiß Finanzminister Schäuble. „Stärken sind im­mer auch Versuchungen. Da­ran kann man scheitern.“ Die perfekteste Performance darf indes eines nicht belasten: Vertrauen. „Wer das verspielt“, warnt Klaus-Peter Schöppner von Emnid, „hat ein Problem.“