Warum Langzeitarbeitslose oft schlecht beraten werden

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Essen. Langzeitarbeitslose werden in NRW oft schlechter betreut als in anderen Bundesländern. Schuld daran ist auch die ungewisse Zukunft der Jobcenter. Viele Vermittler haben nur befristete Verträge. Gute Kräfte gehen, wenn sie eine bessere Stelle finden.

Langzeitarbeitslosen in Nordrhein-Westfalen machen diese Zahlen wenig Mut: 70 Prozent der 44 Jobcenter in NRW arbeiten schlechter als der deutsche Durchschnitt. Das geht aus dem jüngsten Controllingbericht der Bundesagentur für Arbeit hervor, der der „Rheinischen Post“ vorliegt. Die drei letzten Plätze belegen Remscheid (Platz 42), Siegen-Wittgenstein (43) und Olpe (44).

„Die Ergebnisse verwundern uns nicht“, sagt Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forums Deutschland. „Gerade über die Schlusslichter des Rankings erreichen uns auch die meisten Beschwerden.“ Als Beispiel nennt er das Jobcenter Düsseldorf. Die Art und Weise, wie hier mit Erwerbslosen umgegangen werde, grenze teilweise an Schikane. Gute Jobvermittlung hänge im Wesentlichen vom Engagement und dem guten Willen der Vermittler ab. Und genau daran würde es mangeln. „Das fängt schon damit an, dass den Erwerbslosen bei der Antragstellung Steine in den Weg gelegt werden“, sagt Behrsing.

„Unsichere Zukunft lastet auf den Schultern der Mitarbeiter“

Wenig Hilfe, wenig Zeit, wenig Verständnis – diesem unheilvollen Dreiklang werden demnach viele Arbeitssuchende in schlechten Jobcentern ausgesetzt. Oftmals würde bei den Vermittlern auch die Einstellung vorherrschen, dass es am Erwerbslosen selbst liege, wenn er keine Arbeit findet. Für Martin Behrsing gibt es deshalb nur eine Lösung für die Misere: eine bessere Ausbildung der Vermittler. „Sie müssten darin geschult werden, individueller auf die Jobsuchenden einzugehen, genauer hinzusehen, warum es nicht klappt“, fordert er.

Doch gerade die Personalsituation ist das Hauptproblem vieler Jobcenter. Die große Koalition liegt derzeit im Dauer-Clinch über die künftige Organisation der Argen. Noch weiß niemand, wie es nach 2010 weitergeht. „Diese Unsicherheit lastet schwer auf den Schultern der Mitarbeiter“, sagt Carmen Tietjen, Arbeitsmarktexpertin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in NRW. Der Krankenstand der Beschäftigten in den Jobcentern sei deutlich höher als in anderen Behörden. Viele Mitarbeiter arbeiten nur befristet. Gute, erfahrene Kräfte gehen, wenn sie eine bessere Stelle finden. „Dabei müsste es genau umgekehrt sein: Gerade für dieses schwierige Klientel bräuchten wir die besten Vermittler“, beklagt Tietjen.

Vermittlungserfolg dramatisch eingebrochen

Martin Behrsing plädiert zudem für ein Ende der Mischverwaltung. Derzeit werden die Jobcenter von der Bundesagentur für Arbeit und den Kommunen in Arbeitsgemeinschaft geführt. „Die Kommunen haben in der Jobvermittlung nichts zu suchen“, sagt Behrsing. „Das Personal aus den Stadtverwaltungen hat von Vermittlung keine Ahnung.“

Zudem wird die Bilanz der NRW-Jobvermittler immer schlechter: Im Februar diesen Jahres haben die rund 14.000 Vermittler gerade einmal 7100 Menschen einen Job verschafft. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Erfolgsquote um mehr als 45 Prozent eingebrochen „Das kann nicht nur an der Wirtschaftskrise liegen“, meint Carmen Tietjen vom DGB.

Arbeitslose in Mettmann warten neun Monate

Auch bei der Bearbeitung der Widersprüche gibt es laut Controllingbericht große Unterschiede. Am längsten müssen die Arbeitslosen in Mettmann warten. Hier braucht das Jobcenter neun Monate, bis es über einen Widerspruch entschieden hat, wie aus dem Controllingbericht weiter hervorgeht. Das verstößt gegen das Gesetz, das drei Monate vorschreibt. Am schnellsten arbeitet das Jobcenter Bochum, hier werden Widersprüche im Schnitt in gut einem Monat erledigt.

Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit hat die Zahlen am Morgen bestätigt. Der Bericht sei allerdings für den internen Gebrauch und nicht für die Veröffentlichung bestimmt. (Mit Material von ddp)

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