Warum ich meinen Facebook-Account (noch) nicht lösche

Facebook sieht offenbar nicht so genau hin, wenn es um den Schutz der Daten seiner Kunden geht.
Facebook sieht offenbar nicht so genau hin, wenn es um den Schutz der Daten seiner Kunden geht.
Foto: Jens Büttner / dpa
Facebook ist eine gefräßige Daten-Krake, Konzernchef Zuckerberg arrogant und abgehoben. Trotzdem bleibe ich bei Facebook – vorerst.

Berlin.  Ja, ich habe einen Facebook-Account. So wie wohl viele der weltweit rund 1,2 Milliarden Facebook-Nutzer halte ich auf diese Weise Kontakt zu Freunden, die weit entfernt leben. Facebook hat mich schon manches Mal vor der Peinlichkeit bewahrt, den Geburtstag eines Bekannten zu vergessen. Und mitunter ergibt sich ein neuer, spannender Kontakt.

Und ja, ich habe geahnt, dass meine Daten bei Facebook, aber auch bei anderen Online-Netzwerken, nicht in den besten Händen sein würden. An Warnungen vor den gefräßigen Daten-Kraken Google, Facebook und Co. mangelte es schließlich nicht. Deshalb habe ich mich mit der Preisgabe persönlicher Daten zurückgehalten.

Facebook schert sich nicht um unsere Daten

Es ärgerte mich, wie arrogant Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit Kritik an dem von ihm geschaffenen Netzwerk umgeht. Ob es um Hass-Posts, fremdenfeindliche Botschaften oder Fake News ging – Zuckerberg versprach stets viel und hielt fast nichts. Da konnten die Politiker schimpfen und drohen wie sie wollten, der globale Konzern entzog sich geschickt dem Zugriff nationaler Behörden.

So löscht man sein Facebook-Konto in 5 Schritten

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Nun ist offenkundig, dass man bei Facebook auch auf die Sicherheit der Nutzerdaten keinen gesteigerten Wert legt . Dass ein cleverer Professor mit einer simplen App Daten von zig Millionen Nutzern abgreifen konnte, deutet auf eine bemerkenswerte Ignoranz in dem Konzern hin. Datenschutz – war da was?

Goodbye, Facebook?

Statt sein eigenes Unternehmen datentechnisch perfekt aufzustellen, schwadronierte Multi-Milliardär Zuckerberg lieber darüber, wie er mit Facebook „die Menschheit zusammenbringen“ und dadurch die Welt beglücken will. Hybris statt Handwerk.

Dass der Konzern-Chef nach Bekanntwerden des Datenmissbrauchs tagelang schwieg, passt in dieses Bild. Nun verspricht Zuckerberg Besserung in Sachen Datenschutz . Wer’s glaubt. Eigentlich wäre nun das Maß voll und die Zeit reif, um „Goodbye, Facebook“ zu sagen, so wie es viele andere schon tun . Oder?

Nein, ich werde meinen Facebook-Account vorerst nicht löschen (und zwar nicht nur, weil der Konzern den Weg dahin für die Nutzer so kompliziert wie eben möglich gemacht hat, was eine weitere Unverschämtheit darstellt). Facebook bringt mir Nutzen, siehe oben, auf den ich ungern verzichten würde. Und – leider – gibt es keine gleichwertige Alternative.

Aber: Ich werde künftig noch vorsichtiger sein als bisher, wenn ich Facebook Persönliches anvertraue. Ich gebe Mark Zuckerberg noch eine Chance.

Und ja, es ist die letzte Chance für Facebook.

 
 

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