Warum Bundeskanzlerin Angela Merkel an den Euro glaubt

Angela Merkel überlässt das Urteil über ihre Leistung als Bundeskanzlerin lieber Historikern.
Angela Merkel überlässt das Urteil über ihre Leistung als Bundeskanzlerin lieber Historikern.
Foto: Laurence Chaperon / WAZ FotoPool
Angela Merkel glaubt an den Verbleib Griechenlands und Italiens in der Euro-Zone. Warum die Bundeskanzlerin das Urteil über ihre Leistungen als Politikerin lieber Historikern überlässt und sie meint, dass ihre Mission noch lange nicht erfüllt ist. Der zweite Teil des Interviews mit Angela Merkel.

Berlin.. Im Büro der Bundeskanzlerin sprachen WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz und Berlin-Korrespondent Miguel Sanches mit Angela Merkel über den Euro, die AfD und Burn-Out.

Gibt es in vier Jahren noch den Euro? Sind die Griechen noch dabei? Und die Franzosen, die Italiener?

Merkel: Ja, selbstverständlich, weil der Euro Arbeitsplätze sichert und eine Garantie für ein erfolgreiches Europa im weltweiten Wettbewerb ist. Wir folgen dabei dem Prinzip von Solidarität und Eigenverantwortung und sind gegen gemeinsame Haftungsübernahmen oder Schuldentilgungsfonds.

Schadet die AfD Deutschland?

Merkel: Wir argumentieren für den Euro und ich spüre, dass wir die allermeisten Menschen damit auch überzeugen.

Nochmal: Schadet die AfD?

Merkel: Die CDU hat sehr gute Argumente für die Stärkung unserer gemeinsamen Währung.

Die Wissenschaftler präsentieren die großen Entwürfe - davon lebt auch die AfD -, während Sie auf internationalen Gipfeln Kompromisse schließen. Sind Vorschläge aus der Wissenschaft nicht wirklichkeitstauglich?

Merkel: Hinweise aus der Wissenschaft sind immer wichtig, weil sie helfen können, bestimmte Prozesse zu verstehen. Dennoch kann ich mir natürlich nicht jeden Vorschlag zu eigen machen.

Ursula von der Leyen sagt immer - wir hören da eine Traurigkeit heraus -, dass jede Generation nur einen Kanzler stellt. Stimmt das?

Merkel: Das weiß ich nicht. Vor ein paar Jahren war zum Beispiel es noch schwer vorstellbar, dass eine Frau Kanzlerin ist. Heute ist es selbstverständlich.

Lothar de Maizière sagte neulich, Sie seien misstrauischer geworden. Stimmt das?

Merkel: Ich empfinde das nicht so.

Noch vier Jahre, schaffen Sie das?

Merkel: Ja.

Keine Angst vor Burn-Out?

Merkel: Nein. Die Arbeit ist anspruchsvoll, aber außerordentlich erfüllend.

Stört es Sie, wenn man Sie "Mutti" nennt?

Merkel: Nein.

Gibt es den Punkt, an dem Sie sagen würden: "Mission erfüllt"?

Merkel: Nein, es gibt ständig neue Herausforderungen. So hatte ich mir zum Beispiel vorgenommen, dass wir aus der Finanzkrise stärker herauskommen, als wir hineingegangen sind.

Kaum war das gelungen, kam mit der Euro-Schuldenkrise schon die nächste große Aufgabe.

Was ist dran an der These, große Kanzler machen große Sachen, Adenauer die West-Anbindung, Brandt die Entspannungspolitik, Kohl die Einheit, Schröder die Hartz-Reform.

Merkel: Das Urteil, wie bedeutend die Herausforderungen der Jahre jetzt sind, überlasse ich den Historikern. Ich befasse mich damit, wie es den meisten Menschen noch besser geht mit dem, was ich für richtig halte, und da kann sich meine Bilanz sehen lassen.

Geht man eine dritte Amtszeit anders an? Wenn Sie die Wahl gewinnen, wird es heißen: Merkels Spätwerk.

Merkel: Meine Aufgabe ist es, für Deutschland und die Menschen das Richtige zu tun und dazu beizutragen, dass Europa ein Kontinent des Wohlstands und des Friedens bleibt. Wir leben in einer unruhigen Welt.

Im Vergleich zu heute waren 2005 und 2006 geradezu ruhige Jahre. Seit 2008 erleben wir erhebliche Erschütterungen der Wirtschaftsordnung. Das erfolgreich zu meistern, ist jede Mühe und Anstrengung wert.

 
 

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