War ein V-Mann am NSU-Bombenanschlag in Köln beteiligt?

Polizeibeamte kehren nach dem NSU-Bombenanschlag auf ein Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln herumliegende Scherben zusammen. Möglicherweise hat ein V-Mann des Verfassungsschutzes die Bombe gelegt.
Polizeibeamte kehren nach dem NSU-Bombenanschlag auf ein Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln herumliegende Scherben zusammen. Möglicherweise hat ein V-Mann des Verfassungsschutzes die Bombe gelegt.
Foto: dpa
Könnte ein V-Mann des Verfassungsschutzes die NSU-Bombe in der Kölner Probsteigasse gelegt haben? Der NSU-Ausschuss geht diesem Verdacht nach.

Düsseldorf.. Sie galt als vielleicht spannendste Zeugin des Untersuchungsausschusses des Landtags zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU): Mathilde Koller (65), ehemalige Leiterin des NRW-Verfassungsschutzes. Doch als sie am Dienstag in Düsseldorf von den Abgeordneten verhört wurde, blieb vieles im Dunkeln.

Koller war im Sommer 2012 unter dubiosen Umständen „aus persönlichen Grünen“ in den Ruhestand getreten. Vier Monate zuvor hatte sie eine „dienstliche Erklärung“ für den Generalbundesanwalt abgegeben, in der sie eine brisante Entdeckung kundtat. Ein von den Bundesbehörden übermitteltes Phantombild zum NSU-Anschlag von 2001 auf ein Lebensmittelgeschäft in der Kölner Probsteigasse erinnerte die NRW-Verfassungsschützerin an den Extremisten Johann H., der seit 1989 als Vertrauensmann ihrer Behörde geführt wurde. Zugleich betonte Koller damals in der „dienstlichen Erklärung“, dass es keine Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung H.s an dem Kölner Bombenanschlag gebe.

„Sie reden hier mit jemandem, der drei Jahre aus dem Geschäft ist“

Warum der frühe Ausschluss einer Tatbeteiligung? Weshalb fiel die Phantombild-Ähnlichkeit erst elf Jahre nach dem Anschlag auf? Wurden wirklich alle Spuren auf rechtsextremistische Verbindungen des NSU in NRW geprüft? Hat am Ende möglicherweise ein Mann in Diensten des NRW-Verfassungsschutzes den NSU-Attentätern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt geholfen?

Die Abgeordneten versuchten immer wieder, der Zeugin Koller etwas Weiterführendes zu entlocken. Doch die ehemalige Verfassungsschutz-Chefin präsentierte sich über weite Strecken des Verhörs als arglose Rentnerin: „Sie reden hier mit jemandem, der drei Jahre aus dem Geschäft ist.“ Sie könne sich nicht erinnern.

19-Jährige wurde bei Anschlag schwer verletzt

Verfassungsschützer, die V-Mann H. führten, hätten damals versichert, „dass er kein Rechtsextremist ist, sondern nur die Szene auskundschaftet“, berichtete Koller. Seine Alibis für den Zeitraum Mitte Dezember 2000, als eine Sprengfalle in dem deutsch-iranischen Geschäft in der Probsteigasse deponiert wurde, seien alle untersucht worden.

Die 19-jährige Tochter des Ladenbesitzers wurde bei der Explosion vier Wochen später schwer verletzt. Koller betonte, dass sie die Zusammenarbeit mit H. sofort beendet habe, als ein früherer Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und eine Ausbildung zum Bau von Sprengfallen ihr bekannt wurden.

 
 

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