War der Attentäter von Bulgarien ein Ex-Guantanamo-Häftling?

Zeigt dieses Bild einer Überwachungskamera den Ex-Guantanamo-Häftling Mehdi Ghezali? DNA- und Fingerabdruck-Untersuchungen sollen diese Vermutung klären.
Zeigt dieses Bild einer Überwachungskamera den Ex-Guantanamo-Häftling Mehdi Ghezali? DNA- und Fingerabdruck-Untersuchungen sollen diese Vermutung klären.
Foto: dapd/Bulgarisches Innenministerium
Nach der tödlichen Bombenattacke auf israelische Touristen am Flughafen der bulgarischen Stadt Burgas steht womöglich die Identität des Attentäters fest. Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Täter möglicherweise um den ehemaligen Guantanamo-Häftling Mehdi Ghezali.

Washington. Rätselraten um das Attentat von Burgas: Der Selbstmordattentäter, der beim Anschlag am Flughafen in der bulgarischen Stadt sieben Menschen in den Tod riss und rund 40 zum Teil lebensgefährlich verletzte, war möglicherweise ein ehemaliger Häftling des US-Terrorstraflagers Guantanamo auf Kuba. Sein Name: Mehdi Muhammad Ghezali. Das berichten bulgarische und israelische Medien. Das bulgarische Innenministerium bestritt die Meldungen. Noch sei nichts klar. Die Untersuchungen liefen noch auf Hochtouren.

Zuvor hatten Regierungskreise am Donnerstag in Washington bestätigt, dass ein 33-Jähriger Mann schwedischer Staatsbürgerschaft gleichen Namens von 2002 bis Juli 2004 als Häftling Nr. 166 auf der Karibik-Insel einsaß, nachdem er 2001 in Pakistan verhaftet worden war. Es hieß, dieser Mann sei der Attentäter in Bulgarien. Nach seiner Freilassung erklärte Schweden, dass von dem Sohn eines algerischen Vaters und einer finnischen Mutter, keine Gefahr mehr ausgehe. 2009 wurde Ghezali an der pakistanisch-afghanischen Grenze aufgegriffen und zurück nach Schweden geschickt.

DNA soll Täter überführen

Bulgarische und israelische Medien veröffentlichten am Donnerstag Aufnahmen von Sicherheitskameras, die den mutmaßlichen Attentäter von Burgas kurz vor der Tat zeigen sollen. Zu sehen ist ein langhaariger Mann mit Sonnenbrille, der Sportkleidung und einen auffälig großen Rucksack trägt – möglicherweise Aufbewahrungsort der Bombe, wie Fahnder vermuten.

Ob Ghezali der Täter war - von ihm existieren im Internet Fotos, die das nicht ausschließen - sollten DNA- und Fingerabdruck-Untersuchungen ergeben, hieß es im Laufe des Tages in US-Medien. CIA und die US-Bundespolizei FBI seien eingeweiht. Dort wird der Fall als potenziell „heikel” erachtet, weil bulgarische Behörden angeben, bei dem mutmaßlichen Täter sei ein gefälschter Führerschein des US-Bundesstaates Michigan gefunden worden.

Sollten sich die Angaben bestätigen, so ein Sicherheitsexperte des Senders NBC, wäre Ghezali der 50. Ex-Häftling, der nach der Freilassung aus Guantanamo den Terror-Kampf wieder aufgenommen hat. Am Nachmittag meldete der Fernsehsender NBC ohne nähere Details unter Berufung auf bulgarische und schwedische Behörden, Ghezali sei nicht der Täter gewesen.

Ghezali geriet schon 1999 ins Visier der Polizei

Bereits 2010 war Ghezali nach seiner Haft erneut aufgefallen: Aus seinem Umfeld stammten drei Terroristen, die einen Anschlag auf die dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ geplant hatten. Die Zeitung war ins Visier der Islamisten gekommen, nachdem sie Mohammed-kritische Karikaturen publiziert hatte. Einer der festgenommenen Terroristen war zuvor mit Ghezali in Pakistan wegen Terrorverdachts verhaftet worden.

Das erste Mal geriet Ghezali im Jahr 1999 ins Visier der Polizei. Damals war er in Portugal wegen des Verdachtes auf einen Bankraub und einen Juwelendiebstahl verhaftet worden. Nach seiner Entlassung nach Schweden reiste Ghezali zunächst nach Saudi-Arabien, um dort islamische Wissenschaften zu studieren. Anschließend soll er nach London gefahren sein. Dort sei er im Umfeld Omar Bakri Muhammad gesichtet worden, einem bekannten Hassprediger.

Ob es sich bei dem Anschlag in Burgas um einen islamistischen Einzeltäter oder das Werk einer aus dem Iran gesteuerten Terrorgruppe handelt, wie die israelische Regierung vermutet, war am Abend weiter Gegenstand intensiver Untersuchungen.

Israelische Politiker, Militärs und Sicherheitsexperten waren sich schon kurz nach dem Attentat einig: Die libanesische Hisbollah-Miliz und der iranische Geheimdienst stehen hinter dem Anschlag. Dabei stritten Teheran und die Hisbollah jede Verantwortung vehement ab. Man würde sich bei der Vergeltung für Israels Verbrechen doch nicht mit der Tötung von ein paar Touristen begnügen, erklärte die militante Hisbollah. Teheran bezeichnete die Anschuldigung als „lächerlich“ und erklärte, Iran sei gegen Terrorattentate, egal von wem.

Verwundete landen in Tel Aviv

Israels Führung war sich in der Schuldzuweisung einig. Außenminister Avigdor Lieberman sprach von Hinweisen die über „jeden Zweifel erhaben“ seien, ging aber nicht in Details. Selbst der sonst so umsichtige Staatspräsident Schimon Peres erklärte: „Wir sind Zeugen einer tödlichen Terrorattacke aus dem Iran.“ Israel habe „die Möglichkeiten und den Willen, Terrororganisationen zum Schweigen zu bringen“, warnte Peres ungewohnt martialisch. Verteidigungsminister Ehud Barak gelobte, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Der israelische Nachrichtenkanal „Arutz Sheva“ nannte dieses Vorpreschen der Regierung voreilig, falls die Angaben aus Bulgarien stimmten.

Donnerstagnachmittag erreichten 35 Verwundete des Terror-Anschlags in einer israelischen Militärmaschine den Flughafen in Tel Aviv. Nach acht Jahren fast ohne Terror waren Israels Zeitungen wieder mit den Bildern eines verkohlten Autobusses gefüllt: Die Tageszeitung „Haaretz“ sprach von der Rückkehr des „satanischen Symbols unserer ärgsten Albträume“, Omen dafür, „dass die Atempause vorbei ist und uns das Schlimmste noch bevorsteht.“ (dat/greg)

 
 

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