Wahlkampf in grünen Jacken - Grüne arbeiten am "Branding"

Landesparteitag der Grünen in Bielefeld
Landesparteitag der Grünen in Bielefeld
Foto: dpa
Früher wurde gestrickt, heute wird gebastelt. Beim Parteitag der NRW-Grünen in Bielefeld zeigt sich: Die Partei ist immer noch ein bisschen anders.

Bielefeld.. Basteln für den Wahlerfolg - zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wollen die Grünen nichts unversucht lassen. Beim Landesparteitag in Bielefeld erhalten die 280 Delegierten am Samstag tatsächlich einen Bastelbogen. Ein Rückfall in Zeiten einstiger "Strick-Parteitage" der Öko-Basis soll damit allerdings nicht eingeleitet werden. Im Gegenteil: Jetzt wird "Corporate Design" eingeübt. Vom Briefbogen bis zum Wahlplakat alles aus einem Guss, erläutert die politische Geschäftsführerin Marianne Weiß. Mit dem Bastelbogen sollen die Delegierten in Eigenarbeit "knackige Slogans" produzieren für Wahlplakate.

Dazu haben die Grünen sogar einen eigenen Schrifttyp entwickeln lassen. "Das unterscheidet uns von Mitbewerbern, die mit Industrieschrift arbeiten", meint Weiß. Alle Botschaften an den Wähler sollen - wenig überraschend - auf grünem Hintergrund ausgesendet werden. Aber nicht irgendein Feld-, Wald- und Wiesen-Grün, sondern "in lebendigerer, strukturierter Optik", schwärmt die Polit-Managerin.

Wahlkampfauftritte nur noch in grünen Jacken

Auch bei leibhaftigen Wahlkampfauftritten wollen die Grünen sich professionalisieren und künftig in grünen Jacken auftreten. "Dass wir entsprechend "gebrandet" sind", erläutert die Geschäftsführerin in geschliffenem PR-Denglisch, als Marke erkennbar also. Alles passend zum Parteitagsmotto: "NRW grünt."

Schlecht stehend die Chancen dafür nicht. In jüngsten Wählerumfragen liegen sie bei 12 Prozent und damit sogar leicht über ihrem Ergebnis bei der Landtagswahl 2012. Damals holten sie 11,3 Prozent der Stimmen. Der große Koalitionspartner schwächelt dagegen: Die SPD ist in der Beliebtheit des Wahlvolks seitdem von 39,1 auf 34 Prozent zurückgefallen.

Löhrmann schließt "Ausschließeritis" aus

Zwar beteuert die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann: "Wir Grüne wollen unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit der SPD fortsetzen." Immerhin habe Rot-Grün in NRW seit 1995 insgesamt 15 erfolgreiche Regierungsjahre auf dem Buckel - mit einem schwarz-gelben Intermezzo des Kabinetts von Jürgen Rüttgers (CDU). Bundesweit sei das NRW-Bündnis damit "Spitzenreiter im rot-grün Regieren."

Ein Hintertürchen hält sich der Juniorpartner aber offen: "Ausschließeritis war gestern", bekräftigt Löhrmann. Viel Sympathie für ein schwarz-grünes Bündnis unter der Regie von CDU-Landeschef Armin Laschet gibt es allerdings nicht. Laschet sei "ein Witterungspolitiker", spottet Löhrmann. Vordergründig suche er mit populistischen Positionswechseln Profilierung und Applaus. Dazu zähle auch sein jüngster Kampf für Braunkohlearbeitsplätze. "Laschet baut neue Lebenslügen auf", kritisiert die grüne Frontfrau. Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, nennt Laschet gar den "neuen Kohle-Ayatollah".

Erinnerungen an Farbbeutel-Attacke gegen Joschka Fischer

Aber die Frage, wie und in welchem Tempo der Abschied von alten Braunkohlekraftwerken gelingt, hat es in sich: Zwist mit gut organisierten Kohle-Beschäftigten, Gewerkschaftern und Klimaschützern ist vorprogrammiert. Das befeuert auch die Auseinandersetzung innerhalb der Koalition sowie zwischen der rot-grünen Landesregierung und der großen Koalition im Bund.

In Bielefeld wird der Ball aber noch flach gehalten. "Ich empfehle heute keine Instrumente-Debatte", mahnt die in allen Krisen erfahrende Ex-Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) die Delegierten. Die Grünen haben dazugelernt - auch im Umgang miteinander. Vor 16 Jahren hatte es bei einem Grünen-Sonderparteitag zum Kosovo-Konflikt noch ganz andere Szenen gegeben: In derselben Bielefelder Stadthalle hatte eine Farbbeutel-Attacke gegen den damaligen Außenminister Joschka Fischer dessen Trommelfell zerrissen. (dpa)

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