Wahlforscher sieht Röttgens Rückfahrkarte als "Katastrophe für die CDU"

Wilfried Goebels
Schwarz auf weiß: Im WAZ-Interview hatte Norbert Röttgen am 19. August 2010 erklärt, er würde auch als Oppositionschef in den NRW-Landtag wechseln. Jetzt drückt sich Röttgen um eine klare Aussage.
Schwarz auf weiß: Im WAZ-Interview hatte Norbert Röttgen am 19. August 2010 erklärt, er würde auch als Oppositionschef in den NRW-Landtag wechseln. Jetzt drückt sich Röttgen um eine klare Aussage.
CDU-Landeschef Norbert Röttgen drückt sich um einen klare Aussage, ob er auch als Oppositionschef nach der Landtagswahl in den NRW-Landtag wechseln würde. Aus Sicht des Düsseldorfer Parteiforschers Ulrich von Alemann schadet Röttgen damit seiner Partei.

Düsseldorf. Wenige Tage nach dem Aus der rot-grünen Minderheitsregierung in NRW und knapp zwei Monate vor der Landtagswahl am 13. Mai steht CDU-Landeschef Norbert Röttgen in der Kritik. Parteiforscher Ulrich von Alemann, Professor an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, zu den Folgen für Röttgen und die NRW-CDU:

CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen irritiert die eigene Partei, weil er sich nicht festlegen will, notfalls auch als Oppositionsführer nach Düsseldorf zu kommen. Wird die „Rückfahrkarte nach Berlin“ zum Wettbewerbsnachteil im Wahlkampf?

Ulrich von Alemann: Norbert Röttgen hat den Beginn des Wahlkampfs schon schwer beeinträchtigt. Das gilt selbst dann, falls er sich jetzt noch entscheiden sollte, ohne Rückfahrkarte nach Berlin ganz nach Düsseldorf zu kommen. Auch in den eigenen Reihen gilt Röttgen als Zögerer und im politischen Wettkampf als halbherzig. Es gibt heftigen Druck und Unverständnis in der Partei. Das wird eine ganz schwere Aufgabe.


Muss sich Röttgen wie Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ohne Wenn und Aber für NRW entscheiden?
Ulrich von Alemann: Röttgen muss sich entscheiden – das verlangen Wähler, Medien und Parteimitglieder. Auch Norbert Blüm hat 1990 sein Ministeramt in Bonn behalten. Das ist ihm schlecht bekommen, er hat die Wahl gegen Johannes Rau verloren.


Droht der CDU ein Motivationsproblem an der Basis?

Ulrich von Alemann: Tatsächlich droht der CDU ein Motivationsproblem an der Basis. Auch Funktionsträger wie Helmut Linssen sehen das Verhalten von Röttgen sehr kritisch. Da wird es schwer, dass die ganze Partei Im Wahlkampf mitzieht. Das ist eine relative Katastrophe für die CDU.
FDP-Spitzenkandidat Lindner will sich voll auf NRW konzentrieren. Haben die Liberalen mit dem neuen Mann noch eine Chance, den Einzug in den Landtag zu schaffen?
Ulrich von Alemann: Die Chancen für Lindner stehen sehr schlecht. Lindner ist der richtige Mann für den Versuch, noch die Kurve zu kriegen. Ob Lindner es wirklich noch richten kann, da bleiben dicke Fragezeichen.