„Vorbild“ Holland – von Rolf Potthoff

Rolf Potthoff

Inzwischen dürfte selbst dem glühendsten Holland-Bewunderer aufgegangen sein, dass er den Nachbarn als das große Vorbild in Sachen multikulturellen Miteinanders zu blauäugig sah.

Die Fassade trog. Gründlich. Als Indizien mag man die inzwischen schärferen Integrationsverordnungen sowie den starken Zuspruch für den Rechtspopulisten Geert Wilders verstehen.

Was sich aber nun auftut, macht einfach fassungslos: Juden wird geraten, das Land zu verlassen, weil sie wegen muslimischer Jugendgewalt ihrer Unversehrtheit nicht mehr sicher sind. Nicht irgendein wichtigtuerischer, unwichtiger Nobody empfiehlt das, sondern ein ehemaliger EU-Kommissar. Und was dieser Mann denkt, denkt er gewiss nicht allein.

Wo leben wir eigentlich? Hier spielt sich mehr ab als „nur“ der auch bei uns gefürchtete Ersatzkriegsschauplatz für den Nahost-Konflikt. Denn: Was ist diese Einstellung anderes als der Offenbarungseid eines verfassten Staates vor dem Mob auf der Straße? Was anderes als politisch sanktionierter, zumindest in Kauf genommener Antisemitismus? Was anderes als die Preisgabe des staatlichen Gewaltmonopols? Was anderes als das eilfertige Einknicken vor einer anderen, aggressiv ausgelebten Kultur? Man hüte sich, dass dies nicht zum neuen „Vorbild“ Holland wird.