Voigtsbergers Rückzug - Abschied eines leisen Ministers

Genoss ein echtes Warsteiner nach  Eröffnung des Infineon-Logistikzentrums in Warstein: Harry K. Voigtsberger (2. v.r., Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr NRW). Foto:  Susanne Löbert/WP
Genoss ein echtes Warsteiner nach Eröffnung des Infineon-Logistikzentrums in Warstein: Harry K. Voigtsberger (2. v.r., Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr NRW). Foto: Susanne Löbert/WP
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Harry K. Voigtsberger (SPD) war als Minister für Wirtschaft integer, blieb aber etwas blass. Jetzt verzichtet der 61-Jährige überraschend auf einen Platz im neuen Kabinett und freut sich auf mehr Privatleben.

Düsseldorf.. Als Harry Kurt Voigtsberger am Dienstagnachmittag kurzfristig zu einer Mitarbeiter­versammlung lädt, ahnen die ­wenigsten, dass dies der letzte Auftritt des NRW-Wirtschaftsministers sein würde. Der SPD-Politiker eröffnet den versammelten Beamten, dass er wenige Tage vor seinem 62. Geburtstag entschieden habe, nicht mehr dem neuen Landes­kabinett von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft angehören zu wollen. „Nun sollen Jüngere Verantwortung übernehmen“, sagt er.

Die Belegschaft reagiert ebenso überrascht wie viele Landtagsab­geordnete, Ministeriale oder Journalisten. Es galt als ausgemacht, dass der Flugzeugingenieur und Berufsschullehrer auch der neuen Regierungsmannschaft angehören würde.

Aller Kritik und allem Spott zum Trotz, den sich der gebürtige Allgäuer mit dem freundlichen ­bayerischen Timbre und der Vorliebe für dunkelblaue Pullunder seit 2010 hatte gefallen lassen müssen.

Lob von der Regierungschefin

Kraft indes ließ am Dienstag auf den scheidenden Minister nichts ­kommen: „Er hat diese Herausforderung hervorragend gemeistert. Harry Voigtsberger hat sich durch exzellentes Fachwissen und ­großen Einsatz für die Landes­regierung Respekt und Ansehen auch bei seinen Gesprächspartnern im Land erworben.“ Vor zwei Jahren galt Voigtsberger als Überraschungsminister, den Kraft an die Spitze des Wirtschaftsressorts setzte. Doch das riesige Haus, das auch die Zuständigkeit für Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr umfasste, erwies sich bald als zu groß für ihn.

[kein Linktext vorhanden]In der Wirtschaft wurde beklagt, dass der Minister bei wichtigen ­Terminen fehle. Die Zusammenarbeit mit Horst Becker (Grüne), als Parlamentarischer Staatssekretär verantwortlich für Verkehr, funktionierte nicht reibungslos.

Viel Engagement, keine Schlagzeilen

Voigtsberger hetzte durchs Land, wurde dennoch kaum wahrgenommen. Obwohl er das politische Handwerk in der Aachener Kommunalpolitik erlernte und lange den Landschaftsverband Rheinland führte, fehlte ihm das Talent zur Selbstinszenierung. Schlagzeilen, Initiativen, Vorstöße? Fehlanzeige. Daran änderte auch die zwischenzeitliche Aufrüstung seiner Kommunikationsabteilung nichts.

Die größte Aufmerksamkeit erntete Voigtsberger in den Boulevardmedien, als er einmal in Serie zu spät bei Veranstaltungen erschien. Das Bild eines persönlich integren, aber in der Spitzenpolitik überforderten Ministers bekam Konturen.

Versöhnlich bis zum Schluss

Als Kritik über Defizite in der Industriepolitik laut wurde, zog Kraft diesen für die NRW-SPD wichtigen Bereich an sich. Nach der Fukushima-Katastrophe machte sie die Energiewende zur Chefsache. Für Voigtsberger wurde das Feld, das er bespielen konnte, immer schmaler.

Nach dem Ende der Minderheitsregierung zeichnete sich ab, dass Voigtsbergers Haus aufgeteilt werden sollte. Die Bereiche Bauen, Wohnen und Verkehr wurden ­abgetrennt. Obwohl Voigtsberger neben Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) als Ablösekandidat gehandelt wurde, war Kraft entschlossen, an ihm fest­zuhalten.

Nun der Rückzug ins ­Private, nach Eynatten im deutschsprachigen Teil Belgiens, wo Voigtsberger mit seiner Familie lebt. „Hinter mir liegen zwei unglaublich spannende Jahre, die ich nicht missen möchte“, bilanziert er ­gewohnt versöhnlich.

 
 

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