Verlorene Generation – von Stefan Schulte

Nachtreten ist keine sehr konstruktive Art der Kritik. Doch manchmal schärft es das Bewusstsein zu sehen, wie folgenreich ein Fehler der Vergangenheit war.

Was die Ausbildungsmisere der 90er-Jahre angerichtet hat, sagt uns 20 Jahre später diese Zahl: Jeder fünfte der heute 30- bis 50-Jährigen hat keine Ausbildung, ist entweder arbeitslos oder verdingt sich in Hilfsjobs. Es ist eine verlorene Generation, die unser Ausbildungssystem der Gesellschaft hinterlässt.

In NRW kommt der hohe Anteil an Mi­granten hinzu, denen früher die Ausbildungstradition fehlte. Gerade jetzt könnten die Unternehmen sie brauchen, stattdessen leben viele vom Sozialstaat. Mit etwas mehr Weitsicht hätte die Wirtschaft dies verhindern können. Erst im Boom 2006 hat sie gemerkt, dass ihr plötzlich gute Leute fehlen.

Viele Unternehmen haben daraus gelernt. Die Migrantenkinder haben in Schule und Lehre aufgeholt. Und die Lehrstellenlücke schließt sich durch die Demografie von ganz allein. Wer immer aber in Politik und Wirtschaft über Investitionen in Bildung nachdenkt, hat die Gewissheit: Jeder jetzt ausgegebene Euro wird sich später rentieren. Und jeder gesparte Euro wird sich bitter rächen.

 
 

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