Verfassungsschutz prüft Beobachtung von „Reichsbürgern“

Ein Heft mit dem Aufdruck „Deutsches Reich Reisepass“: Sogenannte „Reichsbürger“ erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an.
Ein Heft mit dem Aufdruck „Deutsches Reich Reisepass“: Sogenannte „Reichsbürger“ erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an.
Foto: dpa
Mit Angriffen auf Polizisten haben „Reichsbürger“ Aufmerksamkeit erregt. Nun überprüfen die Behörden, wie sie mit der Bewegung umgehen.

Berlin..  Einen Monat nach den tödlichen Schüssen eines sogenannten „Reichsbürgers“ auf einen Polizisten prüft das Bundesamt für Verfassungsschutz eine schärfere Beobachtung. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums des Inneren auf eine Frage der Grünen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Das Bundesinnenministerium habe das Bundesamt für Verfassungsschutz gebeten, die bisherige Bewertung der „Reichsbürgerszene“ zusammen mit den Landesbehörden für Verfassungsschutz zu überprüfen. „Dies ist noch nicht abgeschlossen“, teilte das Ministerium mit.

„Reichsbürger“ attackieren immer wieder Polizisten

Noch im September 2015 hatte das Ministerium auf die Frage, warum die Bewegung nicht vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet werde, argumentiert, dass eine einheitliche „Reichsbürgerbewegung“ nicht existiere und die Aktivitäten in jedem Einzelfall zu prüfen seien. Mehrere Landesbehörden für Verfassungsschutz haben die „Reichsbürger“ bereits im Visier.

Im Oktober hatte ein sogenannter „Reichsbürger“ in Georgensgmünd bei Nürnberg einen Polizisten erschossen und drei weitere Beamte zum Teil schwer verletzt. Immer wieder begehen die Anhänger der Szene Straftaten. Zuletzt hatte ein „Reichsbürger“ in seiner Wohnung im niedersächsischen Sögel sechs Polizisten mit Pfefferspray verletzt.

„Reichsbürger“ erkennen die BRD nicht als Staat an

Die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic sagte der dpa: „Eigentlich hätte es nicht erst dieses schrecklichen Anlasses in Bayern bedurft, um zu erkennen, dass die Reichsbürger eine gefährliche rechtsextreme Bewegung sind.“ Sie erwarte, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz bei einer gemeinsamen Sitzung mit den Landesämtern am Montag seine „Passivität“ im Umgang mit den „Reichsbürgern“ aufgebe.

Die Anhänger der Bewegung erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Etliche von ihnen sind auch in der rechtsextremen Szene aktiv. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte im Bundestagsinnenausschuss 2014 nach dpa-Informationen gesagt, „bei Vielem in der Reichsbürgerbewegung fehlt es an Ernsthaftigkeit“. (dpa)

 
 

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