Verein propagiert "Heilung" von Homosexualität - Staat zahlt

Die Offensive Junger Christen findet, dass Homosexualität durch Therapie heilbar ist. Nun wird überprüft, ob der Verein weiterhin Träger des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) sein kann.
Die Offensive Junger Christen findet, dass Homosexualität durch Therapie heilbar ist. Nun wird überprüft, ob der Verein weiterhin Träger des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) sein kann.
Foto: dapd
Der Verein Offensive Junger Christen wird mit Landesmitteln gefördert. Er bietet auch Vorträge über die "Heilbarkeit" von Homosexualität an. Volker Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, fordert, gegen die Evangelikalen vorzugehen.

Berlin. Darf der Verein Offensive Junger Christen (OJC) staatliche Fördermittel kassieren, wenn er behauptet, dass Homosexualität heilbar sei und entsprechende Therapie anbietet? Volker Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, sagt nein. „Wir prüfen derzeit, ob es möglich ist, dem Verein zu untersagen, solche Angebote zu machen“, sagte Beck der WAZ Mediengruppe.

Die OJC ist eine evangelikale Bewegung und Mitglied der Diakonie in der Evangelischen Kirche. Seit 2009 bekam der Verein aus dem Odenwald 13.000 Euro von der hessischen Landesregierung, weil das OJC-Institut für Jugend und Gesellschaft als Träger für das Freiwillige Soziale Jahr anerkannt ist. Zudem soll die Arbeit der OJC auf den Philippinen laut „Spiegel Online“ vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert worden sein. Das BMZ konnte gestern dazu keine Stellung nehmen.

„Gefahr für Jugendliche“

Die Ärztin Christl Vonholdt leitet das OJC-Institut und hält Vorträge über die angebliche Heilbarkeit von Homosexualität. Ihrer Ansicht nach sei gleichgeschlechtliche Liebe „ein Symptom einer emotionalen Störung und ein Identitätskonflikt“. Ein Satz, der nach Angaben des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland jüngst auf einer Tagung in Sachsen zu hören war, die auch CDU-Politiker und Ärzte besucht haben sollen.

Aus Sicht von Volker Beck müsse gegen die OJC vorgegangen werden, „weil sie Jugendliche eher gefährdet, als ihnen hilft“. Manche junge Menschen seien noch unsicher in ihrer sexuellen Orientierung. Mögliche Präferenzen als therapiefähige Krankheit darzustellen, könnte Depressionen oder Selbstmordgedanken auslösen. Das hessische Sozialministerium untersucht deshalb, ob das OJC weiterhin Träger des FSJ bleiben kann.

Die hessischen Grünen forderten die Kirche auf, zu handeln. In einer Stellungnahme der Diakonie jedoch heißt es, dass sie gegenüber ihren Mitgliedern nicht weisungsbefugt sei. Zudem sei die Beratung der OJC ergebnisoffen und für „Menschen gedacht, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung leiden“.

 
 

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