Verdeckte Recherche offenbart Hygienemängel in Charité

Universitätsklinikum Charité in Berlin: Nicht alles, was glänzt, ist desinfiziert.
Universitätsklinikum Charité in Berlin: Nicht alles, was glänzt, ist desinfiziert.
Foto: picture alliance / dpa
Wie gehen Krankenhäuser mit gefährlichen Keimen und Hygiene um? Nicht immer sauber. Das offenbart eine verdeckte Recherche in der Berliner Charité.

Berlin. Wie gehen Krankenhäuser mit gefährlichen Keimen und Hygiene um? Nicht immer sauber. Das offenbart eine verdeckte Recherche in der Berliner Charité, Europas größter Universitätsklinik. Die Charité beherbergt das Nationale Referenzzentrum zur Überwachung von Krankenhausinfektionen; hier steht die Wiege der „Aktion Saubere Hände“. Doch auch hier ist nicht alles desinfiziert, was glänzt.

Das erlebte der Reporter Benedict Wermter, ehemals Mitarbeiter der WAZ, jetzt beim Recherchebüro Correctiv. Er hatte sich als Praktikant in der Charité beworben und konnte sofort als Hilfspfleger anfangen – ohne Einweisung in Pflege und Hygiene. Als er nach sechs Tagen den Hygieneordner zur Ansicht bekommt, hat er schon 50 Stunden direkt am Patienten hinter sich – unkontrolliert, ohne Mundschutz, Kittel und Handschuhe, die bei Keim-Patienten erforderlich wären. Er hat hunderte Spritzen, Kanülen und Katheter gefüllt. Wie man sich desinfiziert, hat ihm niemand erklärt.

Krankenschwestern küssten Keimträger

Der Journalist wird Zeuge gravierender Hygieneverstöße. Er sieht „zahlreiche verkeimte Patienten“, die isoliert sind, „frei auf der Station herumlaufen“. Er sieht auch, wie Krankenschwestern eine Keimträgerin mit „Küsschen rechts, Küsschen links“ begrüßen. Wermter: „Das Personal hat sich und andere nicht immer vor gefährlichen Keimen geschützt. Viele wirkten in ihrem Arbeitsalltag überfordert. Besucher und Patienten waren oft schlecht informiert.“

Als der Praktikant Infizierte auf ihre Keime anspricht, „hatten die meisten entweder keine Ahnung oder verdrängten das Problem.“ Weil der Hilfspfleger den Infektionsschutz ernst nimmt, fällt er auf: „Sie sind der Einzige, der immer den Mundschutz trägt“, sagt ihm ein schwerkranker Patient, der mit dem Antibiotika-resistenten Keim MRSA infiziert ist.

Hier geht es zum ausführlichen Hygiene-Report aus der Charité.

 
 

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