Verbotswelle für Wildtiere im Zirkus folgt Tierschutz-Trend

Matthias Korfmann
Größter Artist im Zelt: Wildtiere gehören zu den Attraktionen in der Manege.
Größter Artist im Zelt: Wildtiere gehören zu den Attraktionen in der Manege.
Foto: picture alliance / dpa
Düsseldorfer Politiker haben für ein Wildtierverbot im Zirkus gestimmt. Sie folgen einem Tierschutz-Trend in NRW-Städten. Die Dompteure wehren sich.

Düsseldorf. Einst gehörten wilde Tiere wie zum Beispiel Löwen, Affen und Tiger selbstverständlich zum Zirkusleben dazu. Aber diese Zeiten sind wohl vorbei. Die Niederlande, Belgien, Dänemark, Norwegen, Österreich, bald auch Großbritannien, setzen „Wildtierverbote“ in Zirkussen durch. In Deutschland sagen immer mehr Stadträte Nein zu Löwe & Co. im Zirkus.

„Artgerechte Haltung unmöglich“

Am Donnerstag beschloss der Umweltausschuss der Stadt Düsseldorf ohne Gegenstimme, Zirkusbetrieben, die wilde Tiere mit sich führen, „keine in städtischer Hand befindlichen Flächen mehr zu überlassen“. Begründung: Eine artgerechte Haltung dieser Tiere sei im Zirkus „praktisch nicht möglich“. Es gilt als sicher, dass der Rat den Argumenten folgt.

Die Landeshauptstadt ist mit ihrer Einschätzung zum Tierschutz nicht allein. Zirkus-Wildtierverbote gibt es bereits in Köln, Viersen, Siegen, Hemer und Paderborn. Der Rat in Recklinghausen lehnte 2013 ein solches Verbot ab. Bonn und Krefeld hoben ein zuvor erlassenes Verbot später wegen rechtlicher Bedenken wieder auf. Die Politik in den großen Revierstädten Dortmund, Essen und Bochum hat sich bisher noch nicht mit diesem Thema beschäftigt.

"Wichtiges Signal für den Tierschutz"

Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, lobte am Freitag die Düsseldorfer Kommunalpolitik. „Damit setzt die Stadt ein wichtiges Signal für den Tierschutz und reiht sich in die länger werdende Liste von Kommunen ein, die klarstellen: Wildtiere sind keine Zirkustiere! Denn sie stellen hohe Ansprüche an ihre Haltung und Unterbringung, die in einem Reisebetrieb in keinster Weise sichergestellt werden können.“

ZirkustiereLaut Tierschutzbund müssen diese Zirkustiere im Schnitt 50-mal im Jahr ihren Auftrittsort wechseln, und verbringen viel zu viel Zeit in zu kleinen Räumen. Die tierärztliche Versorgung sei oft „mangelhaft“, vielen Betreuern fehle die erforderliche „Sachkunde“.

Sind die Tiere wirklich wild?

Aus der Sicht von Frank Keller vom Berufsverband der Tierlehrer zerlegen viele deutsche Städte mit ihren Wildtier-Verboten gerade eine von drei Säulen des klassischen Zirkus’. „Exotische Tiere, Nervenkitzel, Späße der Clowns, das ist Zirkus“, sagt Keller. Der nächste Schritt wäre dann das Abschaffen der Tiere im Zoo.

Von „wilden“ Tieren könne hier eigentlich gar nicht gesprochen werden, denn fast alle seien in menschlicher Obhut gezüchtet und aufgezogen worden. „Wildfänge“ gebe es in deutschen Zirkussen so gut wie nicht mehr. Die Zahl dieser Tiere sei außerdem in Deutschland gut überschaubar. „Wir reden vielleicht von 30 Elefanten und 60 Raubtieren. Es gibt etwa zehn große Zirkusbetriebe, die überhaupt solche als ,wild’ klassifizierten Tiere präsentieren. Die kleineren Unternehmen haben allenfalls Pferde, Kamele oder Lamas.“ Und die Haltungsbedingungen seien in Deutschland extrem streng.

Richter heben Verbote auf

Die Zirkusbetriebe kämpfen mit allen legalen Mitteln gegen die Verbotswelle. Der Zirkus Krone setzte sich zum Beispiel juristisch in Darmstadt gegen die Weigerung der Stadt durch, mit ihm einen Nutzungsvertrag über ein Gelände zu schließen. In Chemnitz ließen Richter Auftritte von Elefanten und Giraffen in einem Zirkus zu. Grund: Die Verbote schränkten die Freiheit der Dompteure ein, einen legalen Beruf auszuüben. „Und wenn die Städte uns keinen Platz geben, weichen wir eben auf private Flächen aus“, sagt Frank Keller.