USA denken über militärische Hilfe für die Ukraine nach

Dirk Hautkapp
Ein Satellitenbild, das am 10.04.2014 vom britischen Brigadegeneral Gary Deakin, Direktor des Zentrums für Krisenmanagement im militärischen Nato-Hauptquartier in Mons (Belgien), Journalisten vorgestellt wurde, zeigt russische Truppenkonzentrationen nahe der ostukrainischen Provinzen.
Ein Satellitenbild, das am 10.04.2014 vom britischen Brigadegeneral Gary Deakin, Direktor des Zentrums für Krisenmanagement im militärischen Nato-Hauptquartier in Mons (Belgien), Journalisten vorgestellt wurde, zeigt russische Truppenkonzentrationen nahe der ostukrainischen Provinzen.
Foto: dpa
Die USA planen, die ukrainische Armee zukünftig in Echtzeit mit Zielkoordinaten zu versorgen. Das berichtet zumindest die New York Times. Damit könne die ukrainsche Armee in die Lage versetzt werden, Raketenstellungen der pro-russischen Seperatisten anzugreifen.

Washington/Kiew. Die USA erwägen eine wirkungsvollere militärische Einmischung in den Ukraine-Konflikt. Geheimdienste und Verteidigungsministerium arbeiten nach einem Bericht der „New York Times“ an Plänen, die ukrainische Armee künftig in Echtzeit mit Zielkoordinaten zu versorgen, um Raketenstellungen der pro-russischen Separatisten gezielt angreifen zu können. So könnten Zwischenfälle wie der Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs verhindert werden, hieß es. Die USA machen Russland dafür verantwortlich.

Bisher haben die USA nur Satellitenaufnahmen und andere Geheimdienst-Erkenntnisse über Truppenbewegungen entlang der russisch-ukrainischen Grenze an Kiew geliefert, die mehrere Stunden oder gar Tage alt und somit nicht als Grundlage für Angriffe aus der Luft geeignet waren. Präsident Obama hat der Idee laut „New York Times“ noch nicht zugestimmt. Er wird aber vom Verteidigungsministerium gedrängt, um abseits der Sanktionen eine deutliche Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu senden. Tenor: Wir können auch anders. Außenminister John Kerry soll sich ebenfalls dafür ausgesprochen haben, Informationen über die Boden-Luft-Raketen der Separatisten mit den Ukrainern zu teilen.

Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland am Dienstag erwartet

In US-Sicherheitskreisen wird die Idee skeptisch gesehen. Dahinter steht die Sorge, dass die unzureichend geschulte ukrainische Armee womöglich die nötige Präzision bei Luftschlägen vermissen lassen könnte. Würden im Falle solcher Angriffe auf Raketenstellungen auch Zivilisten ums Leben kommen, heißt es, stünden die USA „als Helfershelfer am Pranger“. Putin könnte dies zum Anlass nehmen, die Hilfe für die Separatisten auszuweiten.

Die Europäische Union wird in der Ukraine-Krise voraussichtlich am Dienstag erstmals Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängen. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy bat die 28 Staats- und Regierungschefs der EU um rasche persönliche Zustimmung zu den neuen Strafmaßnahmen. Die EU will Russland mit den Sanktionen zwingen, die Unterstützung für die Aufständischen aufzugeben.

Wegen heftiger Kämpfe in der Ostukraine wird ein Team von niederländischen Experten vorerst nicht wie vorgesehen zur Absturzstelle des Fluges MH17 fahren. Das teilte die niederländische Regierung am Sonntag mit. Zehn Tage nach dem Absturz der Boeing der Malaysia Airlines über der Ostukraine sollte das Team mit 30 forensischen Experten zu der Stelle fahren, um dort mögliche weitere Opfer zu bergen.

Ukrainische Truppen versuchen nach Kiewer Angaben, die Absturzstelle der malaysischen Boeing im Osten von den prorussischen Separatisten zu erobern. Es gehe darum, den internationalen Experten einen sicheren Zugang zur Unglücksstelle zu verschaffen.