Unis sehen Tausende Forschungsprojekte bedroht

Prof. Ursula Gather, Rektorin der TU Dortmund und Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz NRW, fürchtet um die Fortführung Tausender Forschungsvorhaben an den NRW-Hochschulen.
Prof. Ursula Gather, Rektorin der TU Dortmund und Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz NRW, fürchtet um die Fortführung Tausender Forschungsvorhaben an den NRW-Hochschulen.
Foto: WAZ FotoPool
Die Hochschulen in Deutschland sind beunruhigt. Die bisherigen Zuschüsse des Bundes zu den hohen Nebenkosten vieler Forschungsprojekte stehen plötzlich infrage. Der Bund will, dass sich die Länder beteiligen. Die aber verweisen auf leere Kassen. Allein in NRW seien 6000 Forschungsvorhaben in Gefahr.

Berlin/Düsseldorf. Die Hochschulen fürchten akut um eine wichtige Einnahmequelle. Sollte sie in Zukunft wegfallen, wären bundesweit gut 30.000 Forschungsprojekte bedroht. Allein in NRW sind es nach Angaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) rund 6000. Es geht um den möglichen Wegfall der „Programmpauschale“ in Höhe von insgesamt knapp 320 Millionen Euro. Um diese Verwaltungskosten für Forschungsvorhaben gibt es Streit zwischen Bund und Ländern.

Die Programmpauschale ist eines der wichtigsten Instrumente der Forschungspolitik. Das Geld macht häufig die eigentliche Forschungsarbeit erst möglich, denn damit werde Kosten wie Verwaltung, Personal, Labor-Austattungen, Geräte oder Forschungsinstrumente finanziert. Seit 2007 übernimmt der Bund für jedes von der DFG geförderte Projekt einen Zuschuss von 20 Prozent.

Bis zu 20 Millionen Euro pro Uni

Den Hochschulen in NRW bringt diese Regelung Einnahmen zwischen acht und 20 Millionen Euro im Jahr. „Sollte die Pauschale wegfallen, würde uns das in NRW erheblichen Schaden zufügen“, erklärt Ursula Gather, Vorsitzende der Rektorenkonferenz NRW und Rektorin der TU Dortmund. Eine Abschaffung würde die Unis „vor kaum lösbare Probleme“ stellen, so Gather. „Die Fortführung zahlreicher Forschungsprojekte wäre in Gefahr.“

Bundesbildungsministerin Johanne Wanka (CDU) hatte die Länder mit der Ankündigung aufgeschreckt, die Finanzierung der Pauschale Ende 2015 auslaufen zu lassen. Danach sollen die Länder einen Teil der Kosten übernehmen. Der Bundesrechnungshof hatte schon 2013 gefordert, die Programmpauschale nur dann über 2015 hinaus zu verlängern, wenn sich die Länder an den Kosten beteiligen.

Wer erfolgreich forscht, hat das Nachsehen

Die aber sehen sich dazu weder in der Lage, noch können sie die Argumente nachvollziehen. „Wir tragen jetzt schon die Hälfte der Kosten“, heißt es aus dem NRW-Wissenschaftsministerium, denn die Bundesmittel seien zu niedrig. Derzeit laufen die Verhandlungen mit dem Bund mit dem Ziel, die Programmpauschale fortzuführen, heißt es aus Düsseldorf. Noch zeichne sich allerdings keine Lösung ab.

Gather betont, dass die 20 Prozent bereits jetzt nicht ausreichten, um die tatsächlichen indirekten Kosten zu decken. Die Hochschulen müssten Mittel aus dem Etat zuschießen. Die Folge: Je erfolgreicher eine Uni forscht, desto ärmer wird sie dabei.

 
 

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