Unis im Ruhrgebiet wollen auch zu Elite-Hochschulen werden

Christopher Onkelbach
Prof. Dr. Martina Havenith-Newen in ihrem Element: Die Physikerin forscht an der Ruhr Universität Bochum und ist zudem Sprecherin des Exzellenzclusters.
Prof. Dr. Martina Havenith-Newen in ihrem Element: Die Physikerin forscht an der Ruhr Universität Bochum und ist zudem Sprecherin des Exzellenzclusters.
Foto: Funke Foto Services
Exzellenz-Initiative lobt für die dritte Runde fünf Milliarden Euro für Forschungsprojekte aus. Die Unis im Revier wollen gemeinsam erfolgreich sein.

Essen. Rund 110.000 Studenten, 1300 Professoren, ein Gesamtetat von rund 1,2 Milliarden Euro, über 600 Studiengänge, elf Sonderforschungsbereiche für Spitzenforschung – der kurze Zahlencheck zeigt: Es geht um ein wissenschaftliches Schwergewicht.

Seit 2007 sind die drei Ruhrgebiets-Uni­versitäten Dortmund, Bochum und Duisburg-Essen in der „Universitäts-Allianz Ruhr“ (UA Ruhr) verbandelt, gemeinsam sind sie einer der schlagkräftigsten Hochschulverbünde in Deutschland.

Vor rund zehn Jahren beschlossen Bund und Länder, die Wissenschaft durch einen Wettbewerb anzustacheln, um sie in die internationale Spitzenliga zu hieven. Milliardenbeträge wurden seither bei der „Exzellenz-Initiative“ verteilt, 75 Prozent übernimmt der Bund, 25 das jeweilige Bundesland. In NRW wurden die Unis Köln und Aachen zu „Elite-Unis“, zehn Exzellenz-Cluster (Forschungsverbünde) und fünf Graduiertenschulen für den Forschernachwuchs konnten die Unis im Land einwerben.

Bund steigt langfristig ein

Die Ruhr-Uni Bochum verpasste bei der letzten Runde des Wettbewerbs im Jahr 2012 nur knapp den „Elite-Status“, konnte aber insgesamt stattliche 52 Millionen Euro an Fördermitteln gewinnen.

Unter dem Strich waren NRW-Hochschulen im Bundesvergleich überaus erfolgreich: rund eine halbe Milliarde floss über den Exzellenz-Wettbewerb zusätzlich an die Sieger. Mit der Initiative ging ein Ruck ging durch die gesamte Hochschullandschaft. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD): „Sie hat einen echten Wandel bewirkt und wichtige Impulse für das Wissenschaftssystem gebracht.“

Nun machen sich Deutschlands Hochschulen bereit für die dritte Runde des Wettbewerbs. Es geht um eine langfristige Förderung, weshalb ein Erfolg besonders wichtig ist. Von 2019 bis mindestens 2026 soll die Förderung laufen, insgesamt sind knapp fünf Milliarden Euro zu vergeben, die Ausschreibung beginnt bereits im Sommer. Die Unis können sich insgesamt um bis zu 50 Exzellenz-Cluster ­bewerben, eine zweite Förderlinie geht an acht bis elf besonders profilierte Exzellenz-Universitäten oder Hochschulverbünde.

Förderphase auf sieben Jahre verlängert

Neu ist: Die Förderphase wird von fünf auf ­sieben Jahre verlängert, was mehr Planungssicherheit bringt. Und, weit wichtiger: Der Bund steigt erstmals in die dauerhafte Förderung der Sieger-Unis ein. Eine 2015 beschlossene Grundgesetzänderung erlaubt es dem Bund erstmals, Hochschulen – die eigentlich in die Hoheit der Länder gehören – langfristig zu unterstützen.

Zwar sollen die Leistungen der Unis alle sieben Jahre überprüft werden, sie müssen sich aber nicht mehr jedes Mal neu bewerben. Die einmal gekürten „Elite-Unis“ werden es daher vermutlich auf lange Sicht bleiben.

Der Wettbewerb wird hart. Um sich überhaupt um den „Elite- ­Status“ bewerben zu können, müssen Hochschulen bereits die Förderung von zwei Exzellenz-Clustern gewonnen haben, Hochschul­verbünde gar drei. Die UA Ruhr besitzt bisher nur einen, in Bochum. Kritiker sehen darin einen Vorteil für große Unis und befürchten eine Zementierung der Uni-Elite.

Ruhr-Unis sehen sich gut gerüstet

Dies sieht auch Ulrich Radtke, Rektor der Uni Duisburg-Essen und Sprecher der UA Ruhr, kritisch: Durch diese Kriterien und die Förderung des Bundes werde eine „Zwei-Klassen-Hochschullandschaft“ verfestigt. „Kleinen und mittleren Universitäten wird es kaum möglich sein, die neu eingeführte Hürde zu überspringen, demnächst zwei Exzellenz-Cluster einzuwerben“, so Radtke. Dies vermögen eher Uni-Tanker wie der LMU München, der Humboldt-Uni in Berlin oder auch Aachen.

Dennoch sieht Radtke die Hochschulen im Ruhrgebiet gut auf­gestellt. „Dank unserer zehn­jährigen Zusammenarbeit haben sich zahlreiche Vernetzungen auf der Wissenschaftslandkarte zwischen Duisburg und Dortmund entwickelt.“ Dies könne sich jetzt bezahlt machen.

Ein gemeinsamer Erfolg bei der Exzellenz-Initiative würde nicht nur den Hochschulen und Wissenschaftlern einen Schub verleihen, sondern der gesamten Ruhrregion, glaubt Radtke. Denn in der Kooperation über Städtegrenzen hinweg sehen sich die Unis im Revier als erfolgreiche Wegbereiter.