Grüne gewinnen vor der Hessen-Wahl weiter – SPD im Tief

Hessen-Wahl: Drei Gründe, warum diese Wahl für ganz Deutschland wichtig ist

Landtagswahl in Hessen: Diese drei Dinge muss man jetzt wissen.

Landtagswahl in Hessen: Diese drei Dinge muss man jetzt wissen.

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Vor der Landtagswahl in Hessen zeigt sich ein Bild wie in Bayern: Die Grünen ziehen an der SPD vorbei. Das sagen aktuelle Umfragen.

Wiesbaden.  Am kommenden Sonntag entscheiden die Hessen bei der Landtagswahl über das Schicksal ihrer schwarz-grünen Landesregierung. Das Bündnis führt das Land seit 2014 ohne öffentlichen Streit – beide Seiten bekräftigen regelmäßig den Erfolg ihrer Zusammenarbeit. Reicht das für eine Wiederwahl?

Nach der Landtagswahl in Bayern und dem Denkzettel für die Regierungsparteien in Berlin müssen CDU und SPD um jede Stimme kämpfen. In Hessen wird Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bereits zum zweiten Mal von SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel herausgefordert.

Landtagswahl 2018 in Hessen: Das sagen aktuelle Umfragen

Nach einem am Donnerstagabend veröffentlichten ZDF -„Politbarometer“ bleibt unklar, ob die Regierung aus CDU und Grünen von Ministerpräsident Volker Bouffier weiterregieren kann. Für CDU und SPD sagt die Forschungsgruppe Wahlen deutliche Verluste im Vergleich zur Wahl 2013 vorher, für die Grünen deutliche Zugewinne. Die CDU käme auf 28 Prozent (2013: 38,3 Prozent), die SPD auf 20 Prozent (2013: 30,7 Prozent) und die Grünen ebenfalls auf 20 Prozent (2013: 11,1 Prozent).

Die AfD wird demnach erstmals in den Landtag einziehen, sie wäre dann in allen 16 Länderparlamenten vertreten. Die Partei käme laut Politbarometer auf 12 Prozent (2013:4,1 Prozent). Die FDP und Linke liegen bei 8 Prozent (2013: 5 Prozent und 5,2 Prozent).

Nach diesen Zahlen käme von den politisch denkbaren Bündnissen eine Regierung aus CDU, Grünen und FDP auf eine sichere Mehrheit im Landtag. Die amtierende Regierung aus CDU und Grünen stünde ebenso auf der Kippe wie eine Koalition aus CDU und SPD, eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP oder Rot-Rot-Grün, heißt es in der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen.

Andere Umfragen sehen ähnlichen Trend

Eine Wahlumfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den „Spiegel“ und die „Hessische Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) sieht die Grünen bei 18,5 Prozent. Im letzten „HessenTrend“ der ARD vom Sonntag kam die Partei auf 20 Prozent, was ein Rekordwert der Grünen in Hessen wäre.

Die CDU unter Ministerpräsident Volker Bouffier verliert deutlich und muss um eine Fortsetzung der Koalition mit den Grünen bangen. Sie käme laut Civey auf 27 Prozent – ein Minus von mehr als elf Prozentpunkten im Vergleich zur Landtagswahl 2013 (38,3 Prozent).

Auch der SPD drohen wie auch schon in Bayern massive Verluste. Der Civey-Umfrage zufolge würden nur noch 22 Prozent ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten machen. Die Linke kam in der jüngsten Umfrage auf 8 Prozent, die FDP auf 7,5 Prozent und die AfD auf 13 Prozent.

Umfrage zeigt Präferenz für Bouffier

Bei der Frage nach dem gewünschten künftigen Ministerpräsidenten kam Amtsinhaber Volker Bouffier (CDU) im ZDF auf 43 Prozent Zustimmung und sein SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel auf 34 Prozent. Bouffier sieht indes keine Wechselstimmung in Hessen.

Nach Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, der nach früheren Umfragen der beliebteste Politiker in Hessen ist, wurde trotz der hohen Werte für die Grünen nicht gefragt.

So reagieren Hessens Politiker auf die Umfragen

Ziel der Grünen sei nicht, in Umfragen zu glänzen, erklärten die Spitzenkandidaten, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Umweltministerin Priska Hinz noch am vergangenen Wochenende. Die Partei wolle am Wahlsonntag möglichst stark werden, um Hessen weiter gestalten zu können. Das Umfrageergebnis gebe aber Schwung für den Schlussspurt im Wahlkampf.

FDP-Spitzenkandidat René Rock schloss derweil weitgehend aus, dass sich die Liberalen an einer Regierung unter Führung der Grünen beteiligen werden: „Tarek Al-Wazir als Ministerpräsident ist für uns sehr schwer vorstellbar“, betonte Rock.

Landtagswahl in Hessen könnte Überraschungen bringen

Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden – das schwarz-grüne Regierungsbündnis hat den Umfragen zufolge derzeit keine Mehrheit mehr. Eine große Koalition zwischen CDU und SPD in Hessen böte eine satte Regierungsmehrheit – dürfte aber angesichts der Turbulenzen zwischen Union und SPD auf Bundesebene nur schwer vermittelbar sein.

Mit der AfD will niemand koalieren, bliebe also beispielsweise ein Dreierbündnis aus CDU, Grünen und FDP. Die FDP hat sich dafür schon offen gezeigt. Angesichts der jüngsten Umfragewerte erscheint zumindest rein rechnerisch auch ein rot-grün-rotes Bündnis nicht ausgeschlossen - allerdings müssten dafür politisch noch einige Hürden aus dem Weg geräumt werden.

Wecleh Bündnisse haben die größte Chance auf eine Regierungskoaltion nach der Landtagswahl in Hessen?

  • Große Koalition: Eine große Koalition aus SPD und CDU, die lange als mögliche Machtoption in Hessen galt, ist nach den jüngsten Umfragen rechnerisch nicht mehr möglich.
  • Jamaika-Koalition: Eine Koalition aus CDU, Grünen und FDP ist derzeit sicherer als Schwarz-Grün. Die FDP hat bereits mitgeteilt, dass sie mitregieren wollen würde – aber nicht unter Führung der Grünen.
  • Rot-Rot-Grün: Das Dreierbündnis aus SPD, Linken und Grünen käme laut ZDF-Politbarometer nicht auf 50 Prozent der Stimmen.
  • Schwarz-Grün: Trotz des Erfolges der Grünen muss diese Konstellation um ihre Fortsetzung bangen. Grund dafür ist, dass die CDU den Umfragen zufolge derzeit zu viel verliert. Ob CDU und Grüne weiter koalieren können, hängt von der konkreten Sitzverteilung nach der Wahl ab.

Weitere Optionen sind die Dreierbündnisse Grüne, SPD und FDP sowie ein Zusammenschluss von CDU, Sozialdemokraten und Liberalen.

Landtagswahl in Hessen weiterer Stimmungstest für große Koalition

Die Wahl in Hessen dürfte ein weiterer Stimmungstest für die große Koalition in Berlin sein. Nach der Landtagswahl in Bayern und dem großen Verlust für die CSU wurden sowohl in der Union als auch in der SPD Konsequenzen gefordert.

Andrea Nahles hatte dem Ruf nach persönlichen Konsequenzen zunächst eine Absage erteilt und gesagt, dass sich die Partei auf die Abstimmung in Hessen konzentrieren solle.

Das TV-Duell zwischen Schäfer-Gümbel und Bouffier hat an den Umfrageergebnissen nur wenig geändert. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Landtagswahl in Hessen. (bekö/ac/ba)

 
 

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