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Ukraine-Krieg: Botschafter Melnyk mit deutlicher Ansage an Scholz – „Messer in den Rücken“

Scholz erteilt Forderung Kiews nach Kampfflugzeugen Absage

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanadas Premierminister Justin Trudeau in Berlin hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) der Forderung der Ukraine nach Lieferung von Kampfflugzeugen eine Absage erteilt. "Wir müssen sehr genau überlegen, was wir konkret tun. Und dazu gehören ganz sicherlich keine Kampfflugzeuge", sagte Scholz.

Handelt Deutschland im Ukraine-Krieg zu zögerlich? Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk scheut in Interviews und Talk-Shows seit Wochen nicht vor deutlicher Kritik zurück.

Seit Jahren warne er vor einem Krieg Russlands gegen die Ukraine. „Ich wurde ausgelacht“, so Melnyk. „Die vorigen Bundesregierungen hätten diesen Krieg verhindern können.“ Und auch heute geht im die Unterstützung Deutschlands nicht weit genug.

Ukraine-Krieg: Botschafter Melnyk mit deutlichen Worten

Im Interview mit „Welt“ findet Melnyk klare Worte. Vor allem die Ablehnung eines Öl- und Gasembargos seitens der Bundesregierung macht den Botschafter fassungslos: „Das ist ein Messer in den Rücken der Ukraine. Wir glauben, dass diese Position moralisch nicht haltbar ist und fallen wird – wenn nicht in den nächsten Tagen, dann in den nächsten Wochen. Die Frage ist, wie viele ukrainische Zivilisten im Raketenhagel sterben werden.“

Das Gegenargument, dass eine Kriegsbeteiligung eines Nato-Landes zu einem dritten Weltkrieg gegen eine Atommacht führen könnte, lässt er dabei nicht gelten: „Eine verständliche Angst vor einem Atomkrieg ist nicht dasselbe, wie sich bei jeder Entscheidung von Angst treiben zu lassen.“

Ukraine Krieg: Botschafter fordert Risikobereitschaft

Zwar sei dies ein „Vernichtungskrieg gegen die Ukraine“, doch Putin habe ab 24. Februar auch Europa und insbesondere Deutschland den Krieg erklärt – „auch wenn die Deutschen das noch nicht wahrhaben wollen und hoffen, dass sie verschont bleiben. Wenn man Putin jetzt nicht aufhält, werden wir nicht sein letztes Opfer bleiben. Darum denke ich, dass es sich lohnt, ein Risiko einzugehen.“

Das Risiko eines Atomkrieges? Mit einer solchen Eskalation rechnet Melnyk nicht: „Putin ist ein Kriegsverbrecher und wahrscheinlich ein verrückter Staatsmann, aber kein Selbstmörder.“

Ukraine-Krieg: Melnyk rechnet nicht mit Atomkrieg

Das Spiel mit der Angst vor einem Atmokriegsei Putins Kalkül, so Melnyk: „Er ist kein Feldherr, sondern KGB-Mann. Und er weiß genau, wie die Deutschen ticken, er hat ihre Seele gescannt. Putin ahnt vielleicht besser, was Olaf Scholz morgen macht, als dieser selbst.“ Sein Vorschlag: „Lassen Sie die Nato eine Flugverbotszone ausrufen. Mal sehen, ob Putin es wagt, seine Flugzeuge starten zu lassen.“

Er geht sogar noch weiter: „Alle sehen diese 65 Kilometer lange russische Militärkolonne Richtung Kiew. Warum schickt Europa keine noch längere Kolonne von Hilfsgütern und schafft stärkere Bilder? Es heißt: „Wir stehen an Ihrer Seite.“ In Wirklichkeit schaut man zu, bis wir kapitulieren. Vielleicht ist es das, was man im politischen Berlin will. Aber das wird nie geschehen.“

Ukraine will der EU beitreten

Melnyk ist sich „zu 100 Prozent sicher“, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnen könne. Moralisch habe man sogar längst gewonnen. Aber wir sind uns der russischen Übermacht bewusst. Deswegen brauchen wir sowohl noch schärfere Sanktionen als auch massive Waffenlieferungen.“

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Eine wichtige Forderung: Deutschland soll die Ukraine als EU-Beitrittskandidaten anerkennen – doch da stelle sich die Bundesregierung bisher quer: „Am Montag hat mein Präsident Selenskyj wieder mit Kanzler Scholz telefoniert. Es war, als ob man mit einer Wand gesprochen hätte. Mein Präsident hat fast den Hörer aufgelegt.“

Das habe in Kiew enorme Wut ausgelöst. Melnyk betont: „Mit einer EU-Mitgliedsperspektive könnte Deutschland alles wiedergutmachen, was in Bezug auf die Ukraine schiefgelaufen ist.“ (at)