Ukraine-Krieg: Könnte Putin auch Deutschland angreifen? Wenn DAS passiert, wird es brenzlig

Russland startet Großangriff auf die Ukraine

Russland startet Großangriff auf die Ukraine

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen hat Russland einen Großangriff auf die Ukraine gestartet. In vielen Städten inklusive Kiew waren Explosionen zu hören. Auch von Belarus aus überschritten russischen Soldaten die Grenze.

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„Die Welt geht unter, an einem Donnerstag“, diese Worte singt Marius Müller-Westernhagen in seinem Lied „Krieg“.

Seit Donnerstag herrscht wieder Krieg. Wladimir Putin hat seine Invasion in die Ukraine gestartet. Erstmals seit den Jugoslawien-Kriegen in den 1990er-Jahren gibt es wieder einen großen Krieg in Europa. Die Annexion der Krim 2014 durch Russland war nur der Anfang.

Viele Menschen befürchten nun sogar einen Dritten Weltkrieg. Wird Russland nach der Ukraine auch andere Länder angreifen, vielleicht sogar Deutschland? Droht gar ein Atomkrieg? Eine erste Prognose: Zwei Szenarien scheinen plausibel, wobei eines besorgniserregend ist.

Ukraine-Krieg: Könnte Putin auch Deutschland bedrohen? Oder kommt es gar zum Atomkrieg?

Zwischen der ukrainischen Hauptstadt Kiew und Berlin liegen 1.200 Kilometer Luftlinie. Es ist ein Krieg fast vor unserer Haustür, den Wladimir Putin vom Zaun gebrochen hat. Nur Polen liegt noch zwischen dem Kampfgebiet und der Bundesrepublik.

In dieser Situation haben viele Menschen Sorgen: Hat die Kreml-Führung schon ein nächstes Ziel vor Augen? Wird Deutschland in einen Krieg reingezogen, gar einen dritten Weltkrieg?

Die Rhetorik von Russlands Machthaber Wladimir Putin schürrt weitere Ängste. So warnte er am Donnerstag die westlichen Staaten davor, „sich von der Seite in das Geschehen einzumischen“. Wer auch immer Russland zu behindern versuche oder sein Land bedrohe, müsse mit schlimmen Konsequenzen rechnen. Er betonte in diesem Zusammenhang, dass Russland eine der mächtigsten Nuklearmächte der Welt sei (hier mehr zu seiner Ansprache).

Ukraine-Krieg: Wird Deutschland militärisch reingezogen? In diesem Fall droht ein Nato-Bündnisfall

Versucht man die Lage aber möglichst nüchtern zu betrachten, dann ist festzustellen: Die Ukraine ist weder ein Nato- noch ein EU-Mitgliedsstaat. Das bedeutet, dass Deutschland und die übrigen Nato-Staaten keine militärische Beistandspflicht haben.

Eine solche Beistandspflicht, der sogenannte Bündnisfall der Nato, ist im Artikel 5 des Nordatlantikvertrags von 1949 geregelt. Darin heißt es, dass ein bewaffneter Angriff gegen ein Land, als Angriff gegen alle anderen gewertet wird.

Dennoch hat die Bundesregierung nun einen deutlichen Kurswechsel hingelegt. Obwohl die Ukraine kein Nato-Partner ist, wird Berlin nun doch Waffen an das Land liefern und unterstützt weitgehende Sanktionen gegen Russland. In den Augen Moskau könnte Deutschland als militärischer Unterstützer der Ukraine als Kriegspartei angesehen werden.

+++ News-Blog zum Krieg in der Ukraine +++

Erstes Szenario: Putin rückt nach Ukraine-Krieg weiter vor – Nato-Bündnisfall tritt ein

Hier kommen wir allerdings zum ersten von zwei realistischen Szenarien, in denen es zu einem noch größeren Krieg in Europa kommen könnte.

Sollte Putin nach der Eroberung der Ukraine seine Hände nach weiteren Staaten ausstrecken, die erst nach dem Zerfall der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit erlangten und der Nato und EU beitraten, würde genau dieser Bündnisfall eintreten.

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Ukraine und Russland im Vergleich:

  • Die Ukraine hat rund 41,8 Millionen Einwohner und eine Fläche von 576.800 Quadratkilometern (jeweils abzüglich der von Russland annektierten Krim).
  • Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 155 Milliarden US-Dollar lag die Ukraine im Jahr 2020 auf Platz 58 der Welt.
  • Die Russische Föderation hat eine Bevölkerungszahl von rund 146,8 Millionen sowie eine Fläche von 17.102.344 Quadratkilometern (jeweils mit der annektierten Krim).
  • Das Bruttoinlandsprodukt lag 2019 bei 1.702 Milliarden US-Dollar und damit auf Platz 11 aller Länder weltweit.

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Zu diesen Ländern zählen insbesondere die baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland. Auch Polen, ehemals Mitgliedstaat im Warschauer Pakt, könnte ins Visier Putins geraten. US-Präsident Joe Biden hat bereits klargemacht: „Die USA werden jeden Zentimeter von Nato-Gebiet mit der geballten amerikanischen Macht verteidigen. Ein Angriff auf ein Nato-Land ist ein Angriff auf uns alle.“

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Bisher war der Nato-Bündnisfall erst einmal in der Geschichte eingetreten: nämlich am 12. September 2001, kurz nach den islamistischen Terroranschlägen in den USA.

Putin hat nun diplomatisch nichts mehr zu verlieren hat, die Beziehungen zum Westen sind auf einem neuen Tiefpunkt, sein Land wird massiv sanktioniert. Er könnte also durchaus das Tischtuch zum Westen endgültig zerschneiden, zumindest sofern er von der Volksrepublik China die ausreichende Rückendeckung dafür hat.

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Auch Deutschland zeigt sich zur Verteidigung der Bündnisstaaten entschlossen, entsendete erst jüngst weitere Truppen nach Litauen. Frankreich wird mehr Soldaten nach Rumänien schicken, auch die USA verstärkten ihre Truppenpräsenz in Osteuropa. Entsprechend erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag die Aktivierung der Verteidigungspläne, um schnellere Truppenbewegungen zu ermögliche. Stoltenberg: „Wir haben keine Pläne, Nato-Truppen in die Ukraine zu schicken. Wir tun etwas Defensives.“

Ukraine-Krieg: Aus einem regionalen Konflikt könnte ein Flächenbrand werden

So lange Putin seinen Angriff auf die Ukraine beschränkt, bleibt es ein regionaler Konflikt. Jeder Schritt weiter Richtung Westen würde jedoch einen Flächenbrand auslösen.

Politikwissenschaftler Professor Dr. Johannes Varwick hält dieses Szenario zwar für unwahrscheinlich, aber will es nicht ganz ausschließen. Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Varwick: „Ich sehe keine akute Gefahr für andere Staaten, denn die Abschreckung der Nato an den Ostgrenzen ist erfolgreich. Aber die Situation ist brenzlig und es ist kein Naturgesetz, dass Russland nicht doch noch einen Nuklearkrieg beginnt. Denn Putin handelt schon lange nicht rational.“

Droht dritter Weltkrieg zwischen Putin und der Nato? Dieses zweite Szenario ist beängstigender

Ein zweites Szenario erscheint aktuell realistischer und wäre ebenso gefährlich: Ein versehentlicher Zwischenfall, der in der höchst angespannten Situation eine Kette an Ereignissen auslösen könnte.

Zum Beispiel wäre es möglich, dass eine russische Rakete an der ukrainisch-polnischen Grenze auf Nato-Territorium einschlägt. Auch das Schwarze Meer gilt als Gefahrenzone. „Es muss nur eine Rakete auf Irrflug gehen und ein Nato-Schiff treffen, dann wird es gefährlich“, so der frühere Oberkommandierende der Nato-Truppen in Europa, James Stavridis.

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In diesem Fall braucht es kühle Köpfe in den Hauptstädten der Nato-Staaten und Moskaus. Angesichts der Eskalation in der Ukraine scheinen die Kommunikationskanäle aber derzeit tot.

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Putin droht mit seinen Atomwaffen und versetzte seine entsprechenden Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Mehr zum Thema drohender Atomkrieg durch Putin liest du auch in diesem Artikel.