Überfordert – von Walter Bau

Walter Bau

Der Finanzminister fordert einen Blankoscheck für Brüssel beim Euro-Rettungsschirm; der Präsident des Bundestags sieht sogleich die Rechte des Parlaments in ­Gefahr; der Bundespräsident wiederum rügt das Krisenmanagement der Euro-Länder ­insgesamt.

Zwischendurch will sich eine ­Ministerin mit der originellen Idee profi­lieren, finanzschwache Staaten sollten ­Milliardenkredite mit ihren Goldreserven absichern; und die FDP arbeitet sich zäh am neuen Feindbild Euro-Bonds ab.

Vielstimmiger, unharmonischer und schriller könnte der Chor kaum sein. Wenn es eines Beweises bedurfte, dass die Koalition mit der Bewältigung der Euro-Krise überfordert ist – die letzten Tage haben ihn geliefert.

Sicher, die Probleme sind riesig, die ­Zusammenhänge komplex. Aber etwas mehr Abstimmung und Professionalität im Umgang mit den Finanzen darf man als Steuerzahler, Sparer oder Aktionär erwarten. Und mehr Führung. Doch die Kanzlerin scheint den Überblick verloren zu haben. Merkel setzt andere Prioritäten. Sie ist vollauf damit beschäftigt, eine Mehrheit für die Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm zu organisieren – und ihre Kanzlerschaft zu retten.