Twitter- und Facebook-Nutzer laufen Sturm gegen Joachim Gauck

Über den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck wird auf Twitter und Facebook heftig debattiert.
Über den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck wird auf Twitter und Facebook heftig debattiert.
Foto: dapd
Einst von der Netzgemeinde geliebt, hat sich das Blatt für den designierten Bundespräsidenten gewendet. Gaucks Äußerungen zum Fall Thilo Sarrazin empören Twitterer und Facebook-Nutzer. Zudem werfen Netzaktivisten und Mitglieder der Piratenpartei Joachim Gauck vor, die Vorratsdatenspeicherung zu befürworten.

Essen.. Kurz vor der Bundespräsidentenwahl 2010, bei der er gegen Christian Wulff verlor, war Joachim Gauck noch der Liebling der Netzgemeinde. Noch bevor Joachim Gauck nun am 18. März zum Bundespräsidenten gewählt wird, hat sich das Blatt gewendet: Twitterer und Facebook-Nutzer empören sich über den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler. Unter den Hashtags #NoGauck und #notmypresident wird auf Twitter gegen Joachim Gauck getwittert. Auf der einstigen Fan-Seite auf Facebook "Joachim Gauck for President" finden sich vermehrt kritische Stimmen gegen den designierten Bundespräsidenten.

"Der Gauckler ist gegen Occupy&für Sarrazin, gegen die Oder-Neiße-Grenze&für Linke-Überwachung, gegen Wikileaks&für VDS.", fasst Twitter-User @DrThomasHGebel die Vorwürfe gegen Joachim Gauck zusammen, die durch die Twitter-Timeline schwirren.

Joachim Gauck hat Thilo Sarrazin für dessen Buch "Deutschland schafft sich ab" gewürdigt

Grund für den Online-Protest sind Äußerungen Joachim Gaucks, die er nach der gescheiterten Bundespräsidentenwahl 2010 gemacht hatte. Unter anderem hatte Gauck gegenüber dem Tagesspiegel Thilo Sarrazin für dessen Buch "Deutschland schafft sich ab" gewürdigt. Laut Gauck hat Sarrazin mit dem Buch Mut bewiesen und über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik. Zur Erinnerung: Gaucks Vorgänger Christian Wulff war damals als Bundespräsident in die Kritik geraten, weil er indirekt die Bundesbank dazu aufforderte, Thilo Sarrazin wegen dessen Thesen abzuberufen.

Gauck hat die Occupy-Bewegung als "unsäglich albern" kritisiert

Weniger nette Worte hatte Joachim Gauck für die Occupy-Protestbewegung übrig. Bei einem ZEIT-Matinee bezeichnete er den weltweiten Protest gegen die Macht der Finanzmärkte als "unsäglich albern". Auf der gleichen Veranstaltung wetterte der ehemalige DDR-Bürgerrechtler auch gegen den bürgerlichen Protest der Stuttgart-21-Gegner. Es darf sich in Deutschland keine Protestkultur entwickeln, so Gauck, die aufflammt, wenn es um den eigenen Vorgarten geht.

Piratenpartei-Mitglieder sehen in Joachim Gauck einen Freund der Vorratsdatenspeicherung

Mitglieder der Piratenpartei erzürnt vor allem Joachim Gaucks vermeintliche Befürwortung der Vorratsdatenspeicherung. Die Piratenpartei diskutiert öffentlich die Ablehnung Joachim Gauck als Bundespräsidentschaftskandidat und hat eine Linkliste über den zukünftigen Bundespräsidenten gesammelt. Gauck hatte im Dezember 2010 im Wiener Burgtheater mögliche Befürchtungen vor den Gefahren einer Vorratsdatenspeicherung mit den Worten zurückgewiesen, dass die Speicherung von Telekommunikationsdaten nicht der Beginn eines Spitzelstaates sei.

So stark der Sturm gegen Joachim Gauck auf Twitter und Facebook derzeit weht, viele Zitate Gaucks werden bei der Kritik aus dem Zusammenhang gerissen. So hatte Gauck zwar die Angst vor der Vorratsdatenspeicherung als übertrieben bewertet, aber bei der Veranstaltung im Wiener Burgtheater gleichzeitig die Vorratsdatenspeicherung als ungerechtfertig kritisiert. Laut Gauck fehlen "tragfähige Belege" für Erfolge durch die Vorratsdatenspeicherung.

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