Twitter-Eklat – Peter Tauber hat sich nach Kräften blamiert

Hätte besser nicht getwittert: CDU-Generalsekretär Peter Tauber.
Hätte besser nicht getwittert: CDU-Generalsekretär Peter Tauber.
Foto: Michael Kappeler / dpa
Kleiner Tweet, große Wirkung: CDU-„General“ Tauber hat sich mit seiner Äußerung zu Minijobs blamiert. Das Presseecho ist entsprechend.

Berlin.  Mit seinem Minijob-Tweet setzte sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber voll in die Nesseln. Die Kritik war enorm, er musste zurückrudern. Von „Arroganz der Macht“ ist die Rede, von der „Abgehobenheit“ eines Politikers, der die Bodenhaftung verloren habe. Was war passiert?

Tauber hatte am Montagabend als Werbung für das neue Wahlprogramm der Union und in Abgrenzung von der SPD via Twitter geschrieben: „,Vollbeschäftigung’ ist besser als ,Gerechtigkeit’“. Auf die Nachfrage eines Twitter-Nutzers („Heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?“) erwiderte Tauber: „Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“

Später erklärte Tauber, er bedaure seine Äußerung. Und: „Es tut mir leid, dass ich mein eigentliches Argument – wie wichtig eine gute Ausbildung und die richtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind, damit man eben nicht auf drei Minijobs angewiesen ist – so blöd formuliert und damit manche verletzt habe.“

Doch da war es schon zu spät, der Image-Schaden war angerichtet. Tauber stand da als Symbol für die arroganten Politiker „da oben“, die sich meilenweit entfernt haben von den Problemen und Sorgen der „kleinen Leute“. Er dürfte sich ein paar klare Sätze von seiner Chefin Angela Merkel hat anhören müssen. Die Presseschau an diesem Mittwoch dürfte dem CDU-Mann auch nicht besonders gefallen. Die meisten Kommentatoren kritisierten Tauber scharf. Eine Auswahl:

• „Frankfurter Rundschau“ (Frankfurt): Taubers Entschuldigung ist glaubwürdig, aber sie ändert nichts. Der neoliberale Mythos von Leistung und Lohn, der aus Taubers Worten dringt, ist die eigentlich erschreckende Botschaft. Der Privilegierte erlebt selten den Alltag eines Minijobbers. Deswegen kann er so leicht über ihn herziehen.“

• „Rheinische Post“ (Düsseldorf): „Mit dem herablassenden Hinweis, dass, wer „was Ordentliches“ gelernt habe, keine Minijobs brauche, vermittelt der Generalsekretär den Eindruck von Abgehobenheit und Arroganz. Für eine Volkspartei ist ein solches Image fatal. Zu viel Überlegenheitsgehabe werden die Wähler abstrafen.“

• „Der Spiegel“ (Hamburg): „Twittern ist für Politiker riskant – für den Wähler aber manchmal hilfreich. Mit seinem arroganten Minijobber-Spruch hat CDU-General Tauber mal eben die schöne Programminszenierung seiner Parteichefin zerstört.“

• „Aachener Zeitung“ (Aachen): „Seiner Parteichefin, Kanzlerin Angela Merkel, hat Tauber mit dem Tweet einen Bärendienst erwiesen. Nur einen Tag zuvor hatte Merkel mit CSU-Chef Horst Seehofer das gemeinsame Wahlprogramm vorgestellt, mit dem vor allem das Gefühl vermittelt werden sollte, dass sich die Konservativen um alle Menschen in diesem Land kümmern wollen. Taubers Respektlosigkeit gegenüber Menschen in prekären Lebensverhältnissen ist mit dieser warmherzigen CDU/CSU-Offensive in keiner Weise in Einklang zu bringen.“

• „Allgemeine Zeitung“ (Mainz): „Twitter-Durchfall ist eine moderne Kommunikationskrankheit, gegen die auch ein Politiker nicht immun ist. Gemeint ist die Unart, über den Kurznachrichtendienst alles Mögliche - ob sinnvoll oder nicht - ohne Umweg über das Gehirn rauszuposaunen. Für die Polit-Karriere muss das nicht hinderlich sein, manch Kranker wird sogar US-Präsident. Im Fall des CDU-Generalsekretärs Peter Tauber allerdings scheint das Ende der Karriereleiter in Sicht.“

• „Saarbrücker Zeitung“ (Saarbrücken): „Erst nachdenken, dann twittern. Der Kurznachrichtendienst verleitet dazu, schnell mal eben das hinauszuposaunen, was einem durch den Kopf geht. Immer wieder endet das zu Recht im Shitstorm. Es sei denn, man möchte daraus ein politisches Prinzip machen und so werden wie US-Präsident Donald Trump, der alles und jeden bei Twitter verunglimpft. Aber das kann man sich bei Peter Tauber eigentlich nicht vorstellen.“ (mit dpa)

 
 

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