Türkischer Ministerpräsident Erdogan will sich ein Denkmal setzen

Tayyip Erdogan plant in Istanbul eine Moschee für 30.000 Gläubige.
Tayyip Erdogan plant in Istanbul eine Moschee für 30.000 Gläubige.
Foto: REUTERS
Tayyip Erdogan hat große Pläne: In Istanbul will er eine gigantische Moschee mit sechs Minaretten bauen lassen, den höchsten der Welt. Ein zweites Gotteshaus soll auf dem beliebten Taksim-Platz entstehen. Manche meinen, der türkische Ministerpräsident wolle sich ein Denkmal setzen. Ihm werden Ambitionen nachgesagt, 2014 das Präsidentenamt zu übernehmen.

Istanbul. Mit fast 270 Metern ist der Camlica-Hügel in Istanbul die höchste Erhebung am Bosporus. Von unten sieht die mit einem Fernsehturm und Sendemasten gespickte Erhebung am asiatischen Ufer der Meerenge zwar nicht einladend aus, aber der Camlica ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Istanbuler, die hier den Ausblick auf die Stadt genießen. Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat große Pläne für den Hügel. Auf dem Plateau will er eine gigantische Moschee für 30 000 Gläubige errichten, mit sechs Minaretten – den höchsten der Welt.

Im kommenden März jährt sich Erdogans Amtsantritt als Ministerpräsident zum zehnten Mal. Aber es soll nicht bei einem Jahrzehnt bleiben. Erdogan werden Ambitionen nachgesagt, 2014 das Präsidentenamt zu übernehmen, das er durch eine Verfassungsreform mit erheblich mehr Kompetenzen aufwerten will. Erdogan hätte dann nicht nur eine Machtfülle wie vor ihm nur der Republikgründer Atatürk, sondern auch die Chance, noch 2023 an der Staatsspitze zu stehen – im 100. Jahr seit Gründung der Republik.

Der Blauen Moschee

Bis dahin will sich Erdogan mit einer Reihe von Jahrhundertprojekten verewigen. Dazu gehört der geplante Bau eines Kanals vom Marmarameer zum Schwarzen Meer. 50 Kilometer lang soll der „zweite Bosporus“ werden. Schnellbahntrassen lässt Erdogan bauen, westlich von Istanbul soll der weltgrößte Flughafen entstehen. Und auf dem Camlica die Mega-Moschee. Im Mai kündigte Erdogan das Vorhaben erstmals an. Die Gemeinde Üsküdar, zu der Camlica gehört, veranstaltete einen Architektenwettbewerb. Der siegreiche Entwurf kommt den Istanbulern bekannt vor: Er ähnelt stark der Sultanahmet Moschee, besser bekannt als Blaue Moschee. Nur ist der geplante Bau deutlich größer als das Original. Kritische Kommentatoren sprechen von einer „billigen Kopie“. Erdogan wolle sich mit der Mega-Moschee ein Denkmal setzen.

Mehr noch als die geplante Moschee auf dem Camlica stört viele säkulare Türken ein anderes Erdogan-Projekt: Auf dem Istanbuler Taksim-Platz will der Premier ebenfalls eine riesige Moschee errichten lassen, in unmittelbarer Nachbarschaft des Denkmals der Republik, das dem Staatsgründer Atatürk gewidmet ist. Er verankerte 1924 die Trennung von Staat und Religion in der Türkei.

Erdogan trägt sich schon lange mit dem Plan, auf dem Taksim-Platz eine Moschee zu bauen. Bereits als Bürgermeister von Istanbul versuchte er, das Projekt umzusetzen, aber es kam etwas dazwischen: Im Januar 1998 wurde die islamistische Wohlfahrtspartei, der Erdogan angehörte, verboten. Vier Monate später verurteilte das Staatssicherheitsgericht Diyarbakir Erdogan wegen „religiöser Hetze“ zu zehn Monaten Haft. Als Ministerpräsident will er den damals durchkreuzten Plan jetzt umsetzen. Erdogans säkulare Kritiker sehen darin einen weiteren Schritt in der „geheimen Agenda“ des Premiers, der angeblich darauf hinarbeitet, in der Türkei eine islamische Staatsordnung einzuführen.

 
 

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