Türkei-Professor aus NRW mit schweren Vorwürfen! Wird seine Familie durch türkischen Geheimdienst eingeschüchtert?

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geht hart gegen Kritiker im In- und Ausland vor.
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geht hart gegen Kritiker im In- und Ausland vor.
Foto: imago images/Xinhua

Dieser Vorfall hat politische Sprengkraft!

Im Vorfeld der Kommunalwahl 2020 in NRW hat DER WESTEN über Kandidaten berichtet, die eine zweifelhafte Nähe zum türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan (66) und seiner AKP, der Islamisten-Bewegung Milli Görüs oder zu den rechtsextremistischen „Grauen Wölfen“ aufweisen. Zwei dieser Kandidaten haben daraufhin den Verzicht auf ihr Mandat angekündigt, zwei weitere sind in einen Stadtrat beziehungsweise in eine Bezirksregierung gewählt worden, werden mit Argusaugen beobachtet.

Für DER WESTEN hat der renommierte Türkei-Forscher und Politologe Burak Copur (43) aus Essen als Experte seine Einschätzungen abgegeben. Und jetzt soll ER vom türkischen Geheimdienst (MIT) beobachtet werden. Und sogar auf der Liste der Staatsfeinde stehen!

Erdogan: Geheimdienst soll Eltern von Türkei-Professor warnen!

Kurz nach den Kommunalwahlen in NRW seien Copurs Eltern, die ihren Ruhestand in der Türkei verbringen, angerufen worden. An der anderen Leitung: ein Geheimdienstmitarbeiter Erdogans! Copur erzählt: „Meine Mutter war völlig aufgelöst, als sie mir davon berichtet hat. Ein Geheimdienstmitarbeiter, der für NRW zuständig ist, hat meinen Eltern wohl mitgeteilt, dass es eine Akte zu meiner Person geben würde. Ich solle es ab sofort unterlassen, von Deutschland aus Erdogan-kritische oder pro-kurdische Aussagen in der Öffentlichkeit zu tätigen.“

Ist das eine neue Strategie, um Kritiker im Ausland zum Schweigen zu bringen? Der 43-Jährige zu DER WESTEN: „Ich habe es zunächst für einen schlechten Scherz gehalten. Ich bin deutscher Staatsbürger, für mich ist wenn überhaupt der deutsche, nicht der türkische Staat zuständig. Dieser versucht, mich jetzt über meine Eltern mundtot zu machen.“

Er interpretiert diesen Anruf als klare Warnung. Der Wissenschaftler: „Der türkische Staat versucht eigentlich, über seine Vereine, Lobbyorganisationen und Moscheegemeinden Einfluss auf die türkischstämmigen Menschen zu nehmen. Das alles wird von den türkischen Konsulaten und dem Geheimdienst gesteuert. Es interessiert dabei nicht, ob man deutscher Staatsbürger ist. Für die Türkei gilt: ‚Einmal Türke, immer Türke'.“

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Das ist Recep Tayyip Erdogan:

  • Erdogan ist seit dem 28. August 2014 Präsident der Türkei
  • Er wurde am 26. Februar 1954 geboren
  • Er ist Vorsitzender der Partei AKP
  • Nach dem Verfassungsreferendum 2017 wurde das parlamentarische System im Juli 2018 bei einer vorgezogenen Wahl in ein Präsidialamt umgewandelt, damit Erdogan mehr Macht inne hat
  • Erdogan setzt sich für eine Wiedereinführung der Todesstrafe ein
  • Seit 2017 hat es zahlreiche Verhaftungen von deutschen Journalisten und Staatsangehörigen gegeben. Diese standen stets im Zusammenhang mit regierungskritischen Äußerungen in den sozialen Medien

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„Was sind das für Methoden, wenn man über Eltern versucht, Kritiker einzuschüchtern?“

Dass Copur damit an die Öffentlichkeit geht, hat er nach langen Gesprächen mit Familie, Freunden und Professoren-Kollegen entschieden. Copur weiter: „Je mehr Fälle man unter den Teppich kehrt, desto mehr wird das Klima der Angst in Deutschland und der Türkei um sich greifen. Erdogan hat damals vor dem Verfassungsreferendum 2017 Deutschland und Merkel persönlich Nazi-Methoden vorgeworfen, weil AKP-Minister hier nicht auftreten durften. Wenn das damals laut Erdogan Nazi-Methoden waren: Was sind dann das für Methoden, wenn man über die Eltern versucht, Kritiker einzuschüchtern?“

Auch wenn er sich in Deutschland grundsätzlich sicher fühlt, ist der Forscher im Alltag vorsichtiger geworden. Er hat bereits den NRW-Verfassungsschutz eingeschaltet. Auch die deutsche Botschaft in Ankara werde er wegen seinen Eltern kontaktieren. Copur: „Natürlich macht das etwas mit dir. Wenn die türkische Regierung ein Problem mit mir hat, sollen sie die deutschen Sicherheitsbehörden kontaktieren oder in der Türkei ein Gerichtsverfahren einleiten, aber mich nicht über Familienmitglieder erpressen.“

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Umbiegen lassen will Copur sich nicht: „Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut in Deutschland, ich setze mich nach wie vor dafür ein. Manchmal muss man Opfer bringen, damit die Menschen in der Türkei und auch in Deutschland ein freies Leben führen.“

Bundesverfassungsschutz: „Vorgehensweise der Türken ist ungewöhnlich“

DER WESTEN hat die türkische Botschaft in Berlin zu diesem Vorfall angefragt, bislang schweigt man dort. Das ist nicht ungewöhnlich, da man sich generell nicht gegenüber ausländischen Medien zu innenpolitischen Themen äußert.

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist in einer gemeinsamen Anfrage von DER WESTEN und ARD REPORT MAINZ kontaktiert worden. Man erteile grundsätzlich keine Auskünfte zu Einzelpersonen oder einzelnen Sachverhalten.

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Allerdings halte man diese Vorgehensweise für ungewöhnlich. Ein Sprecher teilt zudem mit: „Konkrete ähnlich gelagerte Fälle wie der geschilderte sind dem BfV nicht bekannt.“

 
 

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