Türkei holt nach Spitzel-Vorwürfen sechs Ditib-Imame zurück

Diyanet-Präsident Mehmet Görmez äußerte sich am 17. Februar 2017 in der Religionsbehörde Diyanet im türkischen Ankara zu den Spitzel-Vorwürfen gegen Imame in Deutschland.
Diyanet-Präsident Mehmet Görmez äußerte sich am 17. Februar 2017 in der Religionsbehörde Diyanet im türkischen Ankara zu den Spitzel-Vorwürfen gegen Imame in Deutschland.
Foto: Can Merey / dpa
Türkische Imame sollen Anhänger der Gülen-Bewegung bespitzelt haben. Nun ruft die Religionsbehörde Diyanet sechs Geistliche zurück.

Ankara/Köln.  Wegen der Spitzel-Vorwürfen gegen den Moscheeverband Ditib hat die türkische Religionsbehörde Diyanet nach eigenen Angaben insgesamt sechs Imame aus Deutschland abgezogen. Die Geistlichen hätten ihre Kompetenzen überschritten, sich aber nicht strafbar gemacht, betonte Diyanet-Präsident Mehmet Görmez am Freitag in Ankara.

Betroffen seien auch jene Imame aus Nordrhein-Westfalen, deren Wohnungen am Mittwoch durchsucht wurden. Die Geistlichen seien allerdings schon vor den Durchsuchungen zurückgerufen worden, so Görmez. Sie seien auf ihre früheren Dienststellen in der Türkei zurückgekehrt.

Religionsbehörde: „Es gibt keine Spitzeltätigkeit“

Der Diyanet-Präsident räumte ein, dass die Imame Informationen über mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung in Deutschland in die Türkei übermittelt hätten. „Jene, die in ihren Schreiben Informationen über Personen weitergegeben haben, wurden sofort als Zeichen des guten Willens auf ihre ursprünglichen Posten zurückbeordert.“

Polizei durchsucht Wohnungen von islamischen Geistlichen
Polizei durchsucht Wohnungen von islamischen Geistlichen

Es sei daher inakzeptabel, dass weiterhin eine „Kampagne“ gegen Ditib und Diyanet geführt werde. Görmez betonte: „Es gibt keine Spionagetätigkeit.“ Der Diyanet-Chef warf den deutschen Behörden vor, sie hätten die Wohnungen nur auf Druck der Medien und der Politik durchsucht. Das zeige sich daran, dass die „Razzien“ zu einem Zeitpunkt erfolgt seien, zu dem die Imame bereits in die Türkei zurückgekehrt gewesen seien.

Özoguz: Fortschritte bei Imam-Ausbildung nötig

Vor dem Hintergrund der Spitzelaffäre drängt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), auf Fortschritte bei der Imam-Ausbildung in Deutschland. „Spätestens in zehn Jahren sollten bei Ditib nur noch in Deutschland ausgebildete Imame predigen“, sagte Özoguz dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Von Ditib forderte sie eine Abnabelung von Ankara. „Der türkische Staat darf nicht das Vorstandspersonal eines deutschen Islamverbands stellen“, sagte sie.

Razzien in NRW und Rheinland-Pfalz

Wegen der Spitzel-Vorwürfe hatten Ermittler am Mittwoch die Wohnungen von vier Imamen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht. Dabei wurden nach Angaben der Bundesanwaltschaft Datenträger, Kommunikationsmittel und Unterlagen sichergestellt. (dpa/epd)