Türkei: Auswärtiges Amt verschärft Reisehinweise – Özdemir warnt Touristen

Der türkische Präsident Erdogan wird sich über die neuen Reisehinweise des Auswärtige Amtes nicht freuen.
Der türkische Präsident Erdogan wird sich über die neuen Reisehinweise des Auswärtige Amtes nicht freuen.
Foto: dpa

Berlin. Das Auswärtige Amt hat die Reisehinweise für die Türkei verschärft. „Es kann insofern nicht ausgeschlossen werden, dass die türkische Regierung weitere Maßnahmen gegen Vertreter deutscher Medien sowie zivilgesellschaftlicher Einrichtungen ergreift“, heißt es dort.

Tatsächlich mussten erst vor wenigen Tagen zwei deutsche Journalisten die Türkei verlassen. Dabei handelte es sich um ZDF-Korrespondent Jörg Brase und „Tagesspiegel“-Reporter Thomas Seibert. Letzterer lebte und berichtete seit mehr als 20 Jahren aus der Türkei – vornehmlich aber über die Entwicklungen im Nahen Osten.

Türkei: Meldung über Urlauber sorgte für Unruhe

Weiter heißt es in dem Reisehinweis zur Türkei: „Äußerungen, die nach deutschem Rechtsverständnis von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, können in der Türkei zu berufsbeschränkenden Maßnahmen und Strafverfahren führen.“

Zuletzt sorgte eine Meldung für Unruhe, die Türkei wollte deutsche Urlauber schon bei der Einreise festnehmen. Damit soll der türkische Innenminister Süleyman Soylu bei einer Kundgebung gedroht haben.

Özdemir mahnt ausdrücklich zur Vorsicht

Demnach drohe nicht nur Deutschen mit türkischen Wurzeln eine Verhaftung in der Türkei, sondern jedem Kritiker der Regierung.

------------------------------------

• Mehr Themen:

In der Türkei mit Haftbefehl gesucht: Hamburger Profi-Boxer rechnet mit Erdogan ab

Türkei: Polizei knüppelt Frauenmarsch am Weltfrauentag mit Geschossen und Hunden nieder

Türkei will deutsche Touristen verhaften: Wie gefährlich wird diese App?

-------------------------------------

Grünen-Politiker Cem Özdemir nahm diesen Bericht gegenüber dem „Deutschlandfunk“ sehr ernst: „Wer in die Türkei fliegt, muss genau wissen, wo er hinfliegt, muss genau wissen, dass an der Grenze möglicherweise es auch sein kann, dass nicht nur bei Deutsch-Türken, sondern vielleicht auch bei jemandem, der gar keinen Türkei-Bezug hat, sein Facebook-Account vorher kontrolliert wird.“

Türkei kann Hinweise entspannt nehmen

Allerdings warnt Özdemir auch, dass man mit einem Urlaubsboykott die Falschen treffen könne: „ Das ist jetzt genau die Schwierigkeit, dass viele, die im Tourismus tätig sind, eher Erdogan-Gegner sind.“

Auch das Auswärtige Amt warnt allerdings vorsorglich: „In den letzten beiden Jahren wurden vermehrt auch deutsche Staatsangehörige willkürlich inhaftiert.“ Allerdings bezieht sich dieser Hinweis weniger auf Urlauber, als vielmehr auf Menschen, die Kontakte zur Gülen-Bewegung oder der kurdischen Arbeiterpartei PKK haben könnten.

Vorerst kann die türkische Reiseindustrie sich aber entspannt zurücklehnen. Die Flaute der vergangenen Jahre hat die Türkei längst überwunden, seit 2018 steigen die Urlauberzahlen wieder - trotz aller Warnhinweise.

 
 

EURE FAVORITEN