Trumps Skandal-Video löst Revolte bei Republikanern aus

Donald Trump geht angeschlagen in die zweite TV-Debatte gegen seine demokratische Widersacherin Hillary Clinton.
Donald Trump geht angeschlagen in die zweite TV-Debatte gegen seine demokratische Widersacherin Hillary Clinton.
Foto: REUTERS
  • Ein Video von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump sorgt für Aufruhr
  • In dem Video äußert sich der Milliardär extrem frauenfeindlich und sexistisch
  • Selbst aus der eigenen Partei hagelte es massive Kritik an dem Milliardär

Washington.  US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump zieht nach Veröffentlichung einer Aufnahme mit frauenfeindlichen und extrem vulgären Äußerungen erheblich geschwächt in das zweite TV-Duell mit seiner Rivalin Hillary Clinton.

Selbst aus der eigenen Partei hagelte es massive Kritik an dem Milliardär. Mehr als 60 prominente Vertreter der Republikaner verurteilten Trumps sexistische Sprüche scharf, darunter der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, und der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain.

US-Medien sprachen von einer „Bombenexplosion“ im Wahlkampf, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr erholen könne. Kritik kam sogar von Trumps Vizekandidaten Mike Pence: Als ein Ehemann und Vater habe er sich persönlich beleidigt gefühlt, hieß es in einer schriftlichen Erklärung. Vereinzelt wurden Rufe nach einem Rückzug Trumps von der Kandidatur laut.

Trump will nicht zurücktreten

Trump selbst machte dennoch am Samstag klar: „Es gibt null Chance, dass ich aufgebe. Ich gebe niemals, niemals auf.“ Die Unterstützung, die er erfahre, sei „unglaublich, weil Hillary Clinton eine Kandidatin mit schrecklichen Fehlern ist“, sagte er dem „Wall Street Journal“.

Das am Freitag von der „Washington Post“ veröffentlichte Skandalvideo stammt aus dem Jahr 2005: Darin ist zu hören, wie der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump in drastischen Worten seinen Versuch beschreibt, eine andere Frau zu verführen.

Vulgäre Aussagen im Video

„Ich habe mich an sie rangemacht, bin aber gescheitert“, sagt er. Er habe versucht, „sie zu ficken. Sie war verheiratet.“ Er habe sich hemmungslos („like a bitch“) an sie rangemacht, aber ohne Erfolg. Inzwischen habe die – nicht näher identifizierte – Frau „ihr Aussehen total verändert“. Trumps Beschreibung: „Sie hat jetzt große künstliche Titten und alles.“

Der Immobilienmogul fährt dann fort, dass er sich „automatisch“ zu schönen Frauen hingezogen fühle. „Ich fange einfach an, sie zu küssen (...). Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen.“ Er könne sogar Frauen zwischen die Beine grapschen (und sie ließen es geschehen)

Auszüge aus Privatgespräch

Die Aufzeichnungen sind Auszüge eines Privatgesprächs Trumps mit dem damaligen Moderator der Infotainment-Fernsehsendung „Access Hollywood“, Billy Bush. Das Video schlug nun so hohe Wellen, dass sich der Republikaner mitten in der Nacht zum Samstag zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah.

In einer von seiner Wahlkampfzentrale veröffentlichten Videobotschaft erklärte Trump: „Ich habe es gesagt. Es war falsch. Ich entschuldige mich.“ Zugleich ging er jedoch zum Angriff über, brachte frühere Frauenaffären von Ex-Präsident Bill Clinton ins Spiel und warf Hillary Clinton vor, die „Opfer“ ihres Mannes angegriffen, beleidigt und eingeschüchtert zu haben. .

Ehefrau Melania findet Trumps Video-Äußerungen „inakzeptabel“

Melania Trump hat ihren Mann Donald für dessen vulgäre Bemerkungen über Frauen kritisiert. „Die Worte, die mein Mann benutzt hat, sind inakzeptabel und beleidigend für mich. Dies spiegelt nicht den Mann wider, den ich kenne. Er hat das Herz und Gemüt einer Führungsperson“, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten schriftlichen Erklärung.

Die Aufzeichnung entstand kurz nach Trumps dritter Hochzeit, bei der das frühere Model Melania heiratete. Sie hoffe, „dass Leute seine Entschuldigung annehmen, wie ich es getan habe“, sagte die 46-Jährige, die mit Trump einen Sohn hat.

Clinton nennt Äußerungen „schrecklich“

Hillary Clinton selbst nannte Trumps Äußerungen über Frauen „schrecklich“ und appellierte an die Wählerschaft: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird.“

Empörte Reaktionen bei Republikanern

Der mächtige republikanische Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, blies einen am Samstag geplanten gemeinsamen Auftritt mit Trump ab. Dessen Äußerungen hätten bei ihm Übelkeit erzeugt. „Ich hoffe, dass Herr Trump die Situation mit dem Ernst behandelt, die sie erfordert, und dass er daran arbeitet, dem Land zu demonstrieren, dass er größeren Respekt vor Frauen hat als es dieser (Video-)Clip zeigt.“

Der republikanische Parteivorsitzende Reince Priebus erklärte: „Keine Frau sollte jemals mit solchen Begriffen beschrieben werden, niemand sollte auf diese Art und Weise über sie reden. Niemals.“ Zumindest offiziell unterstützen Ryan und Priebus Trump jedoch weiter als Kandidaten.

Der frühere republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain hat Donald Trump seine Unterstützung entzogen. Er werde bei der Wahl am 8. November nicht für Trump stimmen, teilte der Senator am Samstagabend mit. Trumps jüngstes Verhalten und seine verächtlichen Aussagen über Frauen machten es ihm unmöglich, den Kandidaten weiter zu unterstützen.

Ex-Außenministerin Rice fordert Trump auf, auszusteigen

Der texanische Senator Ted Cruz, der sich ebenfalls um die Präsidentschaftskandidatur beworben hatte und sich erst im vergangenen Monat hinter Trump gestellt hatte, nannte die Äußerungen des Kandidaten „beunruhigend und unangemessen, es gibt schlicht keine Entschuldigung dafür“. Auch Floridas Senator Marco Rubio, ebenfalls ein ehemaliger Bewerber um die Nominierung zum Kandidaten, bewertete Trumps Bemerkungen als „vulgär und unmöglich zu rechtfertigen“.

Die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice hat Donald Trump aufgefordert, den Präsidentschaftswahlkampf abzubrechen. „Donald Trump sollte nicht Präsident sein. Er sollte sich zurückziehen“, schrieb die Republikanerin auf Facebook.

Clinton gegen Trump – TV-Duell in der Nacht zu Montag

Clinton und Trump treffen am Sonntagabend (Ortszeit/3 Uhr MESZ Montag) in St. Louis zu ihrer zweiten Fernsehdebatte zusammen. Die erste Debatte Ende September hatte die Demokratin nach unabhängigen Einschätzungen klar gewonnen. Danach legte sie in Umfragen zu und erhöhte damit den Druck auf Trump, im zweiten TV-Duell gut abzuschneiden. Nach dem Auftritt in St. Louis gibt es nur noch eine letzte Fernsehdebatte, bevor am 8. November gewählt wird. (dpa/rtr)


 
 

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