Trump schweigt nach Todesfahrt von Charlottesville - heftige Kritik am US-Präsidenten

Donald Trump während seines Statements zu den rassistischen Vorfällen in Charlottesville.
Donald Trump während seines Statements zu den rassistischen Vorfällen in Charlottesville.
Foto: JONATHAN ERNST / REUTERS
  • Donald Trump steht wegen seiner Reaktion auf Charlottesville in der Kritik.
  • Dort war ein Neonazi-Sympathisant in eine Gegen-Demo gefahren.
  • Trump wird vorgeworfen, dass er danach nur pauschal „Gewalt von allen Seiten“ verurteilte.
  • Am Montag meldete er sich mit einer Klarstellung.

Charlottesville.  Ein sonst um keinen spekulativen Tweet verlegener US-Präsident duckt sich plötzlich weg und schweigt. Dieser Eindruck entstand, nachdem Donald Trump am Wochenende viele mit einer vagen Reaktion auf einen rassistischen Angriff in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia verstimmt hat. Am Montag meldete er sich dann erneut und sagte das, was viele von ihm erwartet hatten.

Am Samstag war es am Rande einer Kundgebung von hunderten Mitgliedern verschiedener rassistischer Gruppen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. 15 Menschen wurden verletzt. Danach fuhr ein mutmaßlicher Rechtsextremist mit einem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten und rammte zwei Fahrzeuge. Eine 32-jährige Frau starb, weitere 19 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen.

Nach Kritik doch noch Statement

Trump hatte am Samstag zwar Hass und Gewalt verurteilt, aber dabei die Rassisten und Rechtsextremisten nicht beim Namen genannt. Und er ordnete die Gewalt allgemein „vielen Seiten“ zu. Neben Vertretern vieler Organisation und den oppositionellen Demokraten hatten auch zahlreiche prominente Republikaner Trumps Reaktion als viel zu schwach kritisiert.

Am Montag dann, zwei Tage nach den gewaltsamen Ausschreitungen, hat US-Präsident Donald Trump Rassismus und Neonazismus verurteilt. Neonazis, der Ku Klux Klan oder andere Gruppen voller Hass hätten keinen Platz in Amerika, sagte Trump in Washington in einem eigens anberaumten Statement vor Medien.

„Rassismus ist böse“

„Rassismus ist böse und diejenigen, die in seinem Namen Gewalt anwenden, sind Kriminelle und Verbrecher“, sagte Trump.

Bis dahin war aufgefallen, dass er eine weitaus schärfere Verurteilung der Vorgänge in Charlottesville durch seine Tochter Ivanka auf Twitter nicht weiter verbreitete, wie er dies sonst bei ihren Mitteilungen oft tut.

Stattdessen hatte nur ein namentlich nicht genannter Sprecher des Weißen Hauses eine Erklärung verbreitet, in der es hieß, Trump habe am Samstag „sehr stark“ alle Formen von Gewalt, Bigotterie und Hass verurteilt. „Natürlich schließt das weiße Rassisten, KKK (Ku Klux Klan), Neonazis und alle Extremisten-Gruppen ein.“

Vorwurf: Trump ist mit seiner Politik mitverantwortlich für rechte Gewalt

Der Bürgermeister der Universitätsstadt in Virginia, Michael Signer, machte den Präsidenten mit Hinweis auf dessen Wahlkampf-Rhetorik für die Eskalation am Samstag mitverantwortlich. In mehreren US-Städten versammelten sich Menschen zu Demonstrationen gegen Rassismus.

Der 20-jährige Autofahrer war nach dem Angriff festgenommen worden. Ihm werden Totschlag, mehrfache Körperverletzung und Fahrerflucht vorgeworfen. Weitere Anklagepunkte könnten hinzukommen.

Inzwischen verdichten sich die Hinweise darauf, dass der junge Mann aus dem US-Staat Ohio ein Neonazi-Sympathisant war. So schilderte ein ehemaliger Lehrer nach Angaben der „Washington Post“, dass der mutmaßliche Täter spätestens seit dessen High-School-Zeiten von Nazi-Sichtweisen und Adolf Hitler fasziniert gewesen sei. Auch soll er Stunden vor dem mutmaßlichen Auto-Anschlag mit einer Gruppe von Rechtsextremisten zusammen gestanden haben.

Kritik kommt auch von Ex-Kommunikationsmanager Scaramucci

Bürgermeister Signer, ein Demokrat, sagte am Sonntag dem Sender CBS, Trump habe im Wahlkampf die Wahl getroffen, „unseren schlimmsten Vorurteilen in die Hände zu spielen, und ich glaube, was wir sehen, ist eine direkte Linie zwischen dem, was an diesem Wochenende passiert ist und dieser Wahl“. Die Extremistengruppen seien praktisch in eine Präsidentschaftskampagne eingeladen worden und fühlten sich dadurch ermutigt. „Das muss enden, und es kann jetzt enden.“

Kritik kam unter anderem auch von Trumps geschasstem Kommunikationsmanager Anthony Scaramucci. In seinem ersten Interview nach Verlassen des Weißen Hauses sagte er dem Sender ABC News am Sonntag: „Ich hätte ihm dieses Statement nicht empfohlen (...) Er hätte viel härter sein sollen im Umgang mit den weißen Rassisten.“ Der Angriff sei Terrorismus gewesen, sagte Scaramucci weiter.

Scaramucci äußerte sich negativ über Bannon und Reince

Der ehemalige Investor aus New York feuerte auch erneut gegen Trumps Chef-Strategen Steve Bannon. Dessen Toleranz für weißen Nationalismus und Suprematismus sei unverzeihlich, von diesem „Nonsens“ solle sich der Präsident verabschieden.

Scaramucci musste Ende Juli nur zehn Tage nach seiner Ernennung zum Kommunikationschef den Posten räumen. Kurz vorher machte der 53-Jährige mit äußerst unflätigen Äußerungen in einem Interview mit dem „New Yorker“ über Bannon und Trumps ehemaligen Stabschef Reince Priebus von sich reden. In Bezug darauf zeigte er sich in dem Interview nur teilweise selbstkritisch: „Ich habe einen unerzwungenen Fehler begangen.“ Allerdings habe ihn der Artikel mit den Zitaten schlecht aussehen lassen. Er habe gedacht, seine Aussagen zu Priebus und Bannon seien vertraulich gewesen. (dpa)