„So fantastisch“ - Donald Trump eckt mit saloppem Gästebuch-Eintrag in Holocaust-Gedenkstätte an

„Eine große Ehre, mit allen Freunden da gewesen zu sein“: Der Eintrag von Donald Trump im Gästebuch von Yad Vashem.
„Eine große Ehre, mit allen Freunden da gewesen zu sein“: Der Eintrag von Donald Trump im Gästebuch von Yad Vashem.
Foto: POOL / REUTERS
„So fantastisch“ ist nicht das nächstliegende Lob in einer Holocaust-Gedenkstätte. Trump schrieb das in Yad Vashem ins Gästebuch.

Jerusalem.  US-Präsident Donald Trump hat mit seinem Eintrag ins Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel für Stirnrunzeln gesorgt. „Es ist eine Ehre, mit all meinen Freunden hier zu sein“, schrieb Trump und setzte darunter: „So fantastisch + werde nie vergessen.“

Kritiker stellten die Frage, ob vor allem die Formulierung „fantastisch“ angesichts der Tragweite des Holocausts angemessen war. Die israelische Zeitung „Ha’aretz“ schrieb, es handele sich um einen Eintrag, wie ihn nur Trump schreiben könne. Ein Reporter der „Times of Israel“ schrieb auf Twitter: „Er hat vergessen zu schreiben: Bis nächsten Sommer!“

Politikwissenschaftler zieht Vergleich zu Obamas Eintrag

Der Politikwissenschaftler und Journalist Ian Bremmer postete auf Facebook Trumps Gästebucheintrag – und zum Vergleich, was Barack Obama bei seinem Besuch in Yad Vashem in das Buch geschrieben hatte. „Es macht mich traurig“, schrieb er dazu.

Obama hatte unter anderem geschrieben, die Welt könne dankbar sein für eine so wirkungsmächtige Erinnerung an das Potenzial des Menschen, Böses zu tun, aber auch an die Fähigkeit, sich nach einer Tragödie aufzurichten und die Welt neu aufzubauen. George W. Bush hatte es sich 2008 leicht gemacht und hatte dabei keine Kritik provoziert. „Gott segne Israel“, hatte er lediglich geschrieben.

Doch es gibt auch Kommentatoren, die die Aufregung für scheinheilig halten. Vor allem der Vergleich mit Obama hinke vor dem Hintergrund, dass dieser den Konflikt im Nahen Osten nicht habe lösen können – auch nicht mit Gästebucheinträgen. Sohrab Ahmari vom „Wall Street Journal“ schreibt zum Beispiel: Trump habe nicht so einen ausführlichen Hinweis wie Obama hinterlassen, doch dafür habe er Assad die Stirn geboten, was Obama nicht getan habe.

Philip Klein vom eher konservative „Washington Examiner“ geht in seiner Einschätzung noch weiter. So habe Trump zwar nur simple Worte gefunden, Obama jedoch mit seinem Handeln die Welt für Juden gefährlicher gemacht. Obama habe mit der Annäherung an den Iran erlaubt, dass dieser und andere Staaten antisemitische Stereotypen verbreiten konnten. Klein rät: Wer Trump angreifen will, finde genug Angriffsflächen bei seinem Handeln. Sich nur auf Trumps Worte zu beschränken, sei zu einfach. (law/ac/dpa)

 
 

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