Totalschaden in Sachen Vertrauen für VW

Gerd Heidecke
Autobauer weltweit haben in der Vergangenheit selbst lebensgefährliche Fehler ihrer Fahrzeuge häufig vertuscht. Ein Kommentar von Gerd Heidecke.

Essen. Autobauer auf der ganzen Welt haben in der Vergangenheit selbst lebensgefährliche Fehler ihrer Fahrzeuge häufig vertuscht und lieber hohe Entschädigungszahlungen für Todesopfer einkalkuliert, als ­teurere und imageschädigende Rückrufaktionen zu starten. Insofern ist der Autobranche vieles zuzu­trauen.

Dass ein Konzern jedoch mit krimineller Energie versucht, Behörden und letztendlich auch seine Kunden massiv zu betrügen wie jetzt Volkswagen, erschüttert dennoch, gerade während der Hochmesse der deutschen Autobranche, der IAA.

Sofort stellt sich die Frage nach der Verantwortung von VW-Lenker Martin Winterkorn, jahrelang Entwicklungsleiter, bekannt als detailversessener Ingenieur, der sich rühmt, jede Schraube in seinen Volkswagen zu kennen. Ist es denkbar, dass tatsächlich eine verschwörerische Clique in Wolfsburg auf eigene Faust die Steuerungssoftware von Dieseln manipuliert hat?

Die Verantwortung dafür trägt auch ein nichtwissender Winterkorn, und am Montag wurde es bereits einsam um ihn. Niemand sprang ihm bei. Kommt jetzt, woran selbst der scheinbar allmächtige Ferdinand Piëch scheiterte: Winterkorns Ablösung?

Was auf jeden Fall kommt, ist ein Vertrauensverlust in die Glaubwürdigkeit der gesamten deutschen Autoindustrie und in der Folge konsequentere Kontrollen – oder: mehr gesundes Mißtrauen.