Tod von Michael Brown beschäftigt US-Geschworenenjury

US-Justizminister Eric Holder beim Besuch in Ferguson.
US-Justizminister Eric Holder beim Besuch in Ferguson.
Foto: imago
Nur schleppend verschiebt sich der Fall Michael Brown von der Straße in die Räume der Staatsanwaltschaft. US-Justizminister Holder zeigt Gesicht. Doch ob der Todesschütze angeklagt wird, bleibt offen. In Ferguson scheint sich die Lage erst einmal etwas zu beruhigen.

Ferguson.. Der Fall des getöteten schwarzen Jugendlichen Michael Brown beschäftigt nun eine Geschworenenjury im US-Bundesstaat Missouri. Das Gremium in Clayton bei St. Louis nahm am Mittwoch die Beratungen darüber auf, ob gegen Browns weißen Todesschützen Darren Wilson ein Verfahren eröffnet wird. Einen Zeitrahmen dafür gebe es nicht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa. Zugleich beriet Justizminister Eric Holder bei einem Besuch in Ferguson mit der Bundespolizei FBI.

Der Ort wurde nach den tödlichen Schüssen am 9. August von tagelangen Unruhen erschüttert. Erstmals seit über einer Woche verlief die Nacht zum Mittwoch vergleichsweise ruhig. Doch es werden weitere Proteste erwartet.

Vor dem Gerichtsgebäude in Clayton forderten mehrere Dutzend Demonstranten, dass der 28 Jahre alte Polizist Wilson angeklagt wird. Dieser ist seit dem tödlichen Zwischenfall beurlaubt.

Weißer Staatsanwalt in der Kritik

Angeheizt wird die Diskussion durch den weißen Staatsanwalt Robert McCulloch, dem einige in der überwiegend schwarzen Bevölkerung misstrauen. Demonstranten forderten auf Spruchbändern: "Tritt ab, McCulloch".

Sein Vater war selbst Polizist und wurde von einem Schwarzen getötet, als McCulloch zwölf Jahre alt war. Manche bezweifeln deshalb, dass er den Fall Brown unvoreingenommen bearbeiten kann. Im Jahr 2000 entschied er sich etwa, keine Anklage gegen zwei Polizisten zu erheben, die zwei unbewaffnete schwarze Drogendealer mit 20 Schüssen auf deren Auto getötet hatten.

I n einer Petition fordern Unterstützer von Gouverneur Jay Nixon, McCulloch von dem Fall abzuziehen und einen Sonderstaatsanwalt einzusetzen. Nixon bezeichnete ihn dagegen als "erfahrenen Staatsanwalt", der nun im Fall Brown die Chance habe, sich zu beweisen. Ein Sprecher des Staatsanwalts meinte: "Die Menschen im Bezirk St. Louis haben Vertrauen in Herrn McCulloch und seine Fähigkeit, seine Pflichten zu erfüllen." McCulloch ist seit 1991 Staatsanwalt und seitdem alle vier Jahre wiedergewählt worden.

Haben Schüsse auf Brown Bürgerrechte verletzt?

Justizminister Holder traf sich zunächst in einem College mit rund 50 Mitgliedern der Gemeinde. Diesen versicherte er, dass sein Ministerium in einer eigenen Ermittlung die "erfahrensten Agenten und Staatsanwälte" auf den Fall angesetzt habe. Holder wollte sich in Ferguson persönlich über die Ermittlungen informieren. Die Bundesbehörden untersuchen, ob die tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf Brown eine Bürgerrechtsverletzung darstellen.

Auf der Protestmeile West Florissant Avenue war es in der Nacht zum Mittwoch weitgehend ruhig geblieben. Zwar wurden 47 Menschen festgenommen, doch zu schweren Konfrontationen zwischen Polizisten und Demonstranten kam es nicht. Stundenlang demonstrierten Hunderte Bürger friedlich und forderten Gerechtigkeit für Brown. Es flogen weder Brandsätze, noch griff die Polizei zu Blendgranaten oder Tränengas.

Stunden vor der neuerlichen Demonstration hatten Polizisten in St. Louis erneut einen Afroamerikaner erschossen. Der 23-Jährige habe die Beamten mit einem Messer bedroht, sagte Polizeichef Sam Dotson vor Journalisten. Der Verdächtige habe sich unberechenbar verhalten und die Polizisten aufgefordert, ihn zu erschießen. (dpa)

 
 

EURE FAVORITEN