Thailand droht das Chaos - internationale Reisewarnungen

Foto: Getty Images

Bangkok.. Die Gewalt in Thailands Hauptstadt Bangkok droht zu eskalieren. Deshalb haben jetzt einige Länder Reisewarnungen ausgesprochen - darunter das Auswärtige Amt in Berlin. Friedensnobelpreisträger Horta soll im Konflikt zwischen Regierung und Rothemden vermitteln. Doch die Zeit wird knapp.

Die Zeit läuft davon. Die Friedensbemühungen in Thailand sind festgefahren. Jetzt ist der Friedensnobelpreisträger und Präsident von Ost-Timor, Jose Ramos-Horta, in der Hauptstadt Bangkok eingetroffen und will versuchen, zwischen der Regierung von Premierminister Abhisit Vejjajiva und den Anhängern der regierungsfeindlichen „Union gegen Diktatur und für Demokratie“ (UDD), besser bekannt als Rothemden, zu vermitteln.

Angesichts der starren Haltung beider Seiten und der angeheizten Stimmung in der Hauptstadt hoffen viele Thailänder und Beobachter, dass ihm der Durchbruch gelingen möge, der den thailändischen Vermittlern vom „Santhi Prachatham Network“ bislang verwehrt blieb.

Zuletzt waren die Auseinandersetzungen eskaliert, als am Donnerstag im Finanzviertel Bangkoks fünf Granaten einschlugen. Dabei gab es einen Toten und 88 Verletzte. Die Armee warf den Regierungsgegnern vor, hinter den Angriffen zu stecken, was diese bestritten. Das hatte ebenso für zusätzliche Spannungen gesorgt wie Pläne von Regierungsanhängern, zu Zehntausenden gegen die Rothemden zu demonstrieren.

„Beide Seiten haben mir im Vertrauen gesagt, sie könnten mit unserem Vorschlag leben“, erklärte Gotham Arya, ein Vertreter der Gruppe und Leiter des „Research Center for Peace Building“ der Universität in Bangkok dieser Zeitung, „aber niemand will den ersten Schritt an die Öffentlichkeit machen.“

Aus Frustration über die unversöhnliche Haltung der beiden Seiten veröffentlichte das Netzwerk nun seinen Vorschlag. Es sieht Neuwahlen innerhalb von fünf Monaten unter neutraler Aufsicht vor. Eine unabhängige Kommission soll politische Reformen ausarbeiten und die Rolle der gegenwärtig noch sakrosankten Monarchie überdenken. Außerdem soll eine Untersuchungskommission die Ereignisse vom 10. April untersuchen. Bei Zusammenstößen starben damals 25 Menschen und über 800 wurden verletzt.

„Es liegt jetzt im wesentlichen an Premierminister Abhisit, Frieden in unserem Land zu schaffen“, erklärte Gotham Arya, „bei den Rothemden wächst die Verhandlungsbereitschaft – auch wenn sie in der Öffentlichkeit etwas anderes sagen.“ Beobachter fürchten, dass die Zeit für eine friedliche Lösung knapp wird. Je länger die Konfrontation in der Hauptstadt andauert, umso stärker wächst das Risiko eines neuen Blutbads.

Druck der Royalisten

Aber Thailands Premierminister Abhisit steht unter dem Druck hartgesottener Royalisten, die mit Gewalt gegen die überwiegend aus den Provinzen stammenden Rothemden vorgehen wollen. Seine Demokratischen Partei fürchtet nicht nur, den Rothemden weichen zu müssen und bei Neuwahlen zu verlieren. Sie zittern auch vor der Putschgefahr durch die Generäle.

„Die Offiziere sehen sich überwiegend als Diener der Nation und hoffen alle, mal Premierminister zu werden, weil sie das in der Geschichte von ihren Kollegen unterscheiden wird“, sagt ein hoher Parteifunktionär.

Währenddessen wechselt die Stimmung in der Hauptstadt Bangkok zwischen Nichtbeachtung und angstvoller Erstarrung. Viele Bewohner der Hauptstadt und fast alle Touristen weichen angesichts geschlossener Einkaufszentren auf andere Gegenden der Hauptstadt aus. Am Freitag, schon normalerweise ein Tag mit besonders verstopften Straßen, brach der Feierabendverkehr nahezu zusammen, weil Hoch- und U-Bahn der Stadt ab sechs Uhr abends ihre Züge stoppten.

Attraktion für Touristen

Manche Touristen stört das nicht. Neugierige Urlauber besuchen tagsüber das rund vier Kilometer lange, von den Rothemden besetzte Gebiet. Besonders unvorsichtige Touristen treiben sich zudem samt ihren Fotoapparaten trotz massiver Warnungen von Behörden und Journalisten an den Stellen herum, an denen es hin und wieder zu Konfrontationen kommt.

Internationale Reisewarnungen

Nach den Granatenexplosionen rieten Deutschland und andere Länder am Freitag von nicht notwendigen Reisen in die thailändische Hauptstadt ab. Während die UNO zum Gewaltverzicht aufrief, formierten sich im Zentrum Bangkoks zunehmend auch regierungstreue Gelbhemden.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte in einem verschärften Sicherheitshinweis für Thailand vor „nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Bangkok“. Wegen möglicher weiterer gewaltsamer Ausschreitungen werde „dringend empfohlen“, die betroffenen Orte in der Hauptstadt sowie Kundgebungen und Demonstrationen zu meiden.

Auch Großbritannien, Frankreich und Österreich rieten ihren Landsleuten, Kundgebungen in Bangkok zu meiden. Im Sicherheitshinweis des US-Außenministeriums hieß es, „wegen der wachsenden Gewalt im Zentrum Bangkoks“ sollten alle US-Bürger nicht unbedingt notwendige Reisen dorthin vermeiden. (mit afp)

 
 

EURE FAVORITEN