Terroristische Desperados

Michael Backfisch zu Orlando

D

ie Parallelen zwischen den beiden letzten Anschlägen in Amerika sind gespenstisch. Nach allem, was bislang bekannt ist, steckten nicht strategisch geplante Angriffe eines Terrornetzwerks dahinter, sondern Massentötungen von Einzeltätern.

Am Wochenende schoss ein Angestellter einer privaten Sicherheitsfirma in einem Nachtclub in Orlando 49 Leute nieder. Der 29-jährige Omar Mateen wurde in New York geboren, hatte ein Haus, ging häufig ins Fitnessstudio und führte von außen betrachtet ein bürgerliches Leben. Seine Eltern waren aus Afghanistan eingewandert.

Im Dezember tötete ein städtischer Angestellter zusammen mit seiner Frau 14 Menschen in einem Behindertenzentrum im kalifornischen San Bernardino. Auch der 28-jährige Syed Rizwan Farook war US-Bürger, galt als gut situiert.

Doch die Fassade täuschte. Im Schatten der bürgerlichen Idylle haben sich die Täter radikalisiert. Nach Aussagen der Ermittler speisten sie ihren Hass vor allem aus islamistischen Websites. Das ist das Gefährliche an diesen terroristischen Desperados. Sie agieren im Untergrund, hinterlassen kaum Spuren, sind schwer zu erkennen.

Zugegeben: Das Terrorrisiko durch Einzeltäter ist in Amerika deutlich größer als etwa in Europa. 300 Millionen Waffen sind in US-Privathaushalten im Umlauf. Das bedeutet jedoch keine Entwarnung für Deutschland, das über eines der strengsten Waffengesetze der Welt verfügt. Auch hierzulande gibt es radikalisierte Einzeltäter. So hat eine 15-jährige Deutsch-Marokkanerin Anfang März einen Bundespolizisten in Hannover niedergestochen.

Im Fall der Desperados ist das Umfeld besonders gefragt. Familienangehörige, Freunde, Mitschüler oder Arbeitskollegen sollten Verhaltensauffälligkeiten, die auf Terrorsympathien oder -aktivitäten schließen lassen, der Polizei melden. Wer zur Radikalisierung neigt, zieht sich häufig zurück, wird aggressiv. Dies alles sind keine Patentrezepte, doch das Risiko lässt sich so zumindest verringern.