Tengelmann: Jetzt soll Schröder helfen

Mülheim.  Kurz vor der Zerschlagung gibt es wieder Hoffnung für die gut 15 000 Beschäftigten von Kaiser’s Tengelmann: Unter Leitung von Altkanzler Gerhard Schröder sollen ihre Arbeitsplätze in einer Schlichtung doch noch gerettet werden. Der von Tengelmann bereits eingeleitete Einzelverkauf der NRW-Filialen werde für die Dauer der Mediation ausgesetzt, teilten die Gewerkschaft Verdi und das Bundeswirtschaftsministerium gestern Abend in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Die Chefs der Handelskonzerne Tengelmann, Edeka und Rewe hätten „Gerhard Schröder als Mediator sofort akzeptiert“, erklärte der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske. Er sehe darin „ein wichtiges Signal“, dass alle Beteiligten willens seien, aufeinander zuzugehen „und einen fairen Interessenausgleich anzustreben“. Die Mediation eröffne jetzt „eine echte Chance für eine Einigung auf dem Boden der Ministererlaubnis“, erklärte Bsirske.

Zuvor war Bewegung in die Sache gekommen, weil die Discounter Norma und Markant ihre Klagen gegen die Ministererlaubnis zurückgezogen hatten. Damit liegt es nun allein am Kölner Rewe-Konzern, die von Gabriel gegen den Willen des Kartellamts bewilligte Übernahme von Tengelmann durch Edeka doch noch zu ermöglichen. Sie liegt auf Eis, weil Rewe, Norma und Markant mit einer Beschwerde vor dem OLG Düsseldorf Erfolg hatten.

Daraufhin hat Tengelmann-Chef die Zerschlagung seiner Supermarkt-Kette eingeleitet und zunächst die NRW-Filialen zum Einzelverkauf angeboten.

Rewe zeigt sich über den neuen Rettungsversuch erfreut

Nur wenn auch Rewe seine Klage vor dem OLG Düsseldorf zurückzieht, ist der Weg frei für die Fusion und damit den Erhalt aller Stellen. Bei einer Zerschlagung droht laut Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub dagegen in Nordrhein-Westfalen der Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen.

Rewe zeigte sich erfreut, dass wieder verhandelt werde, man sei an einer „fairen Aufteilung“ interessiert. Konzernchef Alain Caparros hatte sich Gabriel als Schlichter gewünscht. Der präsentierte gestern Abend dann Altkanzler Schröder als Schlichter, der vom früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup beraten werde. Knackpunkt wird sein, eine für Rewe akzeptable Kompensation zu finden. Caparros will Tengelmann nicht komplett Edeka überlassen.

 
 

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