Tempolimit: Grüne wollen Regelung im Bundestag durchdrücken – Kachelmann redet Klartext

Die Grünen wollen über das Tempolimit auf den Autobahnen in Deutschland abstimmen.  Jörg Kachelmann hat schon eine klare Position bezogen.
Die Grünen wollen über das Tempolimit auf den Autobahnen in Deutschland abstimmen. Jörg Kachelmann hat schon eine klare Position bezogen.
Foto: imago images / STAR-MEDIA

Auf den Autobahnen im Ruhrgebiet können wir an den meisten Tagen sowieso nicht schneller fahren als 60 km/h – zumindest zur Hauptverkehrszeit.

Die Grünen möchten jetzt ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern in ganz Deutschland durchsetzen. Darüber soll im Bundestag abgestimmt werden. Der Antrag dafür soll Mitte Oktober gestellt werden. Auch Meteorologe Jörg Kachelmann hat dazu eine klare Meinung.

Tempolimit: Grüne wollen Antrag im Oktober stellen

Das Rasen auf deutschen Autobahnen hält er für „präpotentes Drohverhalten dummer Männer“, schrieb er bei Twitter. Ein Tempolimit befürworte er daher.

Er selbst habe schon Millionen von Kilometern auf Autobahnen abgerissen. Dabei seien ihm die Raser mächtig auf den Senkel gegangen.

Jörg Kachelmann ätzt gegen Raser

Dass es nicht noch mehr Verkehrstote gebe, liege nur daran, dass alle anderen Autofahrer besonders aufmerksam fahren würden, um wegen des „Idiotenaufkommens auf der linken Spur“ nicht in Gefahr zu geraten.

Eine Erklärung für das Raser-Verhalten liefert Kachelmann in seinem Tweet gleich mit. Sie würden ihr „kleinschniepelesken Leben nur dann spüren, wenn sie das heroische Gefühl haben, wertes 'sportliches' von unwertem, weil langsamfahrendem/'schleichenden' Leben scheiden zu können“, ätzte er bei Twitter.

Parteien über ein mögliches Tempolimit uneinig

Weniger drastische Worte fand Cem Özdemir (Grüne). „Ein Tempolimit wäre ein Gebot der Vernunft für eine aufgeklärte Gesellschaft im 21. Jahrhundert, sagte Özdemir, der auch Vorsitzender des Verkehrsausschusses ist.

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Tempolimit in Deutschland:

  • Während der NS-Zeit wurden 1934 zunächst alle Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgehoben - 1939 wegen der sich dramatisch entwickelnden Unfallzahlen aber wieder eingeführt. Das höchste Tempolimit lag bei 100 Stundenkilometern
  • 1953 wurden in der Bundesrepublik sämtliche Tempolimits wieder aufgehoben, 1957 wurde aber wieder eine Grenze für das Fahren in Ortschaften eingeführt (50 km/h)
  • Erst 1976 wurden dann wieder Tempolimits für das Fahren außerhalb geschlossener Ortschaften eingeführt. 100 Stundenkilometer waren fortan die Obergrenze - mit Ausnahme der Autobahnen
  • Mitte der 1970er-Jahre wurde dann auch die bis heutige gültige „Richtgeschwindigkeit“ von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen eingeführt
  • Mit der Zeit wurde diese „Richtgeschwindigkeit“ zudem um einzelne Limits auf bestimmten Streckenabschnitten ergänzt

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Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist strikter Gegner des Tempolimits, Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zeigte sich offen für das Thema. Die Sozialdemokraten hatten auf einem Parteitag 2007 beschlossen, sich für ein Tempolimit von 130 einzusetzen.

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Özdemir sagte dem „Spiegel“, die Debatte darüber ähnele „in Teilen unserer politischen Elite dem Versuch, mit US-Republikanern über Einschränkungen für Waffennarren zu sprechen“.

Polizeigewerkschaft begrüßt Tempolimit aus „verkehrspolitischen Gründen“

Oliver Luksic (FDP) warf Özdemir vor, mit solchen Vergleichen „Politik im AfD-Stil“ zu machen. „Der reflexhafte grüne Beißreflex gegen das Auto ist irrational“, sagte er. Der FDP-Politiker sprach von einem „obsessiv geführten grünen Kultur-Kampf gegen das Auto und die individuelle Mobilität“.

Die Gewerkschaft der Polizei begrüßte dagegen den Vorstoß der Grünen. „Umweltfragen gehören nicht zum Kompetenzbereich der Polizei, aber für uns ist ein Tempolimit aus verkehrspolitischen Gründen dringend erforderlich“, sagte der Bundesvize Michael Mertens dem „Handelsblatt.“ (vh/mit dpa)

 
 

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